Warten auf Leroy Sané: Fehlt der Bundesliga Anziehungskraft?

Noch immer steht die Entscheidung aus, ob Leroy Sané Manchester City verlässt und zu Bayern München wechselt. 100 Mio. Euro Ablöse wären fällig – aber die Bundesliga wäre um zumindest eine Attraktion reicher. Man ist ja schon froh, dass Eintracht Frankfurt die Diva Kevin-Prince Boateng ködert.

Man kann die Kaderplanung seines Klubs mit einer schlichten Frage prüfen: Für welchen Spieler in meiner Mannschaft würde ich alles stehen und liegen lassen, um ihn live im Stadion kicken zu sehen? Drei Sekunden ohne Antwort reichen schon: Es gibt keinen.

Danach kommen Ausflüchte, warum sich der Stadionbesuch trotzdem lohnt. Die Stimmung. Die Tradition. Die Freunde. Alles Ausreden, denn: Die Argumentation mit den weichen Faktoren hat selten mit dem Fußball auf dem Rasen zu tun.

Leroy Sané bringt Farbe ins Spiel – noch bei Manchester City. Foto: Imago / VCG

Der weitgehend unbedeutende Fußballprofi Jose Holebas, einst bei 1860 München unter Vertrag, inzwischen beim FC Watford, äußerte jetzt bei den Sportbuzzer-Kollegen einen Satz, der an Hans-Christian Andersens Märchen von des Kaisers neuen Kleidern erinnert.

Alle Untertanen feiern die Tracht des Herrschers, bis endlich ein Kind ruft: “Der Kaiser ist nackt!” Holebas sagt: “So wie ich das mitbekomme, will einfach keiner mehr nach Deutschland.” Zumindest: keiner von den ganz großen Spielern. Fehlt der Bundesliga die Anziehungskraft?

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Das mag übertrieben klingen und aus dem Mund eines eher zweitklassigen Spielers sogar anmaßend. Doch der oben beschriebene Selbsttest führt dummerweise zum selben Resultat: Die Beförderung zum Star verdienen nicht viele Bundesliga-Spieler.

Man mag sich mit dem Gedanken trösten, dass immer noch die Mannschaft im Vordergrund stehen sollte und, wie es Eintracht Frankfurt vorige Saison tat, mit großartigen Leistungen das Publikum magnetisch anziehen. Das war so, keine Frage.

Aber das muss kein Widerspruch sein. Die Schalker denken noch immer wehmütig an die Zeit zurück, als Raul die Veltins-Arena zum Beben brachte. Heute feiern sie, nicht zu Unrecht, ihren Torwart Alexander Nübel und keinen, der Tore zaubert.

Trotzdem ist die Hütte immer voll. Zuletzt war das Steigerlied der Höhepunkt des Spiels, wie beim Hamburger SV der Auftritt des Stimmungsmachers Lotto King Karl jahrelang das Beste war, was der Samstagnachmittag zu bieten hatte. Mit Fußball hatte das nix zu tun.

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