Rettig-Appell wegen Terminballung: Nicht „vom realen Leben abkoppeln“

Die derzeitige Ballung von Terminen im internationalen Fußball-Kalender hat den ehemaligen DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig (57) auf den Plan gerufen. „Eine Branche, die mit und durch die Öffentlichkeit ihr Geld verdient, benötigt gesellschaftliche Akzeptanz. Wenn – wie jetzt – der Eindruck entsteht, als würde man sich vom realen Leben abkoppeln, schwindet diese“, sagte Rettig dem Kölner Express und fordert während der Corona-Pandemie eine deutliche Entzerrung der internationalen Spiele.

Zurzeit stehen die ersten drei WM-Qualifikationsspiele für die deutsche Nationalmannschaft gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien bis zum 31. März auf dem Programm. „Der Spielbetrieb kann genau wie Wirtschaftsaktivitäten nicht von aktuellen Corona-Zahlen abgekoppelt werden“, äußerte der langjährige Bundesliga-Manager, „warum kann man nicht den Modus der WM-Qualifikation ändern und statt Hin- und Rückspiel nur ein Spiel absolvieren, so wie es sich in der Endrunde der Champions League bewährt hat? Statt bis zum Jahresende zehn Quali-Spiele durchzuziehen, könnte man fünf freie Termine schaffen.“

Rettig sieht die Belastung der Spieler als großes Problem an, deshalb solle mehr Rücksicht bei der Ansetzung von internationalen Spielen genommen werden: „Das würde der Gesundheit der Spieler mit Blick auf die Regeneration Rechnung tragen und das Infektionsrisiko deutlich minimieren, weil es weniger Reisetätigkeit und Spiele gibt. Da fehlt mir das Verständnis.“

Rettig fordert auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) bei der Ansetzung der Spiele in der 1. und 2. Bundesliga zu mehr Flexibilität auf. „Es gibt Länderspiele am 31. März um 20.45 Uhr. Die Spieler kommen am 1. April nicht vor dem Nachmittag zurück zu ihren Vereinen. Dennoch sind am Samstag, 48 Stunden später, sieben Bundesliga-Spiele angesetzt. Warum war die Liga nicht so flexibel, den Spieltag komplett auf den Ostersonntag, teils vielleicht sogar Ostermontag zu verlegen?“

Ihm schwebe vor, dass nur die im Wettbewerb verbliebene Champions-League-Teilnehmer samstags spielen, um entsprechende Pausen vor den nächsten Spielen in der Königsklasse zu haben. „Dadurch würde die Regeneration verbessert und die Ansteckungsgefahr verringert“, meinte Rettig.

Er vermisst zudem eine stärkere Einflussnahme vonseiten der Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in den internationalen Gremien des Weltverbandes FIFA und der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Rettig: „Verbandsvertreter sollten sich stärker an der inhaltlichen Diskussion beteiligen. Allerdings sind viele mehr mit ihrer eigenen Karriereplanung beschäftigt. Da will sich niemand unbeliebt machen, weil bald beispielsweise Wahlen zum FIFA-Council und UEFA-Exekutivkomitee anstehen.“

Foto: AFP/SID und Zulieferer +++ Mehr auf Fever Pit’ch

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