U21-Torjäger Waldschmidt mit Treubekenntnis zum SC Freiburg

Shootingstar Luca Waldschmidt hat ein Treubekenntnis zum Fußball-Bundesligisten SC Freiburg abgegeben. “Ich bin nicht nach Freiburg gekommen, um nach einem Jahr direkt wieder zu gehen. Letzte Saison lief ganz gut, aber es gibt noch Verbesserungspotenzial. Wenn irgendwas Außergewöhnliches kommen sollte, muss man sich zu jedem Zeitpunkt der Karriere Gedanken machen. Das ist aber aktuell nicht der Fall. Ich bin froh, in Freiburg zu sein”, sagte der Torschützenkönig der U21-EM im Interview mit dem Fachmagazin kicker.

Unter anderem war der 23-Jährige, der für Vizeeuropameister Deutschland beim Turnier in Italien und San Marino sieben Treffer erzielt hatte, mit dem italienischen Erstligisten Lazio Rom in Verbindung gebracht worden. “Ich habe schon vorher gesagt, dass ich die EM nicht spiele, um mich ins Schaufenster zu stellen”, sagte Waldschmidt, der sich im Breisgau sehr wohl fühlt und große Stücke auf seinen Trainer Christian Streich hält.

“Der Trainer hat viel Erfahrung, weiß, wie er junge Spieler anpacken muss und hat das bei mir an den richtigen Stellen getan. Er hat mir auch nach einem nicht so guten Spiel mal eine weitere Chance gegeben”, sagte Waldschmidt und fügte hinzu: “Es ist das erste Jahr, in dem ich richtig Bundesliga spielen durfte. Das will ich bestätigen und einen draufsetzen.”

Wolfsburg: Aufsichtsratsboss Witter mahnt realistische Erwartungen an

Aufsichtsratschef Frank Witter vom VfL Wolfsburg mahnt nach einer überzeugenden Saison weiter eine realistische Erwartungshaltung an. “Die Qualifikation für die Champions League ist definitiv nicht das Ziel für die neue Saison. Wir möchten an die abgelaufene Spielzeit anknüpfen und uns im Verlauf gerne wieder in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen einfinden”, sagte der 60-Jährige im Interview mit den Wolfsburger Nachrichten.

Die Doppelbelastung aus Bundesliga und Europa League sei “nie ganz leicht wegzustecken”, sagte Witter, der sich über Rang sechs in der abgelaufenen Spielzeit freute. Jeder Fußballer träume von der Champions League, sagte er: “Doch wir sind und werden nicht größenwahnsinnig. Wir wollen uns weiterentwickeln und haben dafür die Voraussetzungen geschaffen.” Planbar sei dies jedoch nicht.

Vom neuen Trainer Oliver Glasner hat Witter einen guten Eindruck. “Er wirkt sehr überzeugend, sachlich, fokussiert, selbstbewusst und überzeugt von dem Spielsystem, für das er steht”, sagte er über den Nachfolger von Bruno Labbadia: “Ich glaube, er passt hervorragend zum VfL.”

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Bild: Hoffenheims Joelinton vor 55-Millionen-Transfer nach England

Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim steht offenbar vor dem nächsten millionenschweren Abgang eines Leistungsträgers. Wie die Bild-Zeitung berichtet, wird der brasilianische Angreifer Joelinton (22) für die Hoffenheimer Rekordablöse von 55 Millionen Euro in die englische Premier League zu Newcastle United wechseln. Eine Bestätigung seitens der TSG lag zunächst nicht vor. Allerdings soll der Spieler konkret mit einem Klub aus der Premier League verhandeln.

Die Kraichgauer verpflichteten den Angreifer, den Ex-Trainer Julian Nagelsmann als “furchtbare Kante, brutale Maschine” bezeichnet hatte, vor vier Jahren für 2,2 Millionen Euro von Sport Recife. Seinen Durchbruch hatte Joelinton in der Vorsaison, als ihm jeweils sieben Tore und Vorlagen in 28 Ligaspielen gelangen.

Die TSG hat in der laufenden Transferperiode bereits die deutschen Nationalspieler Nico Schulz (26/für 25 Millionen Euro Ablöse zu Borussia Dortmund) und Kerem Demirbay (26/28 Millionen/Bayer Leverkusen) abgegeben. Leverkusen soll zudem vor der Verpflichtung des U21-Nationalspielers Nadiem Amiri stehen.

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WM-Qualifikation: Nord- und Südkorea in einer Gruppe

Kuala Lumpur (SID) – In der Qualifikation zur WM 2022 in Katar ist Fußball-Diplomatie gefragt. Nord- und Südkorea wurden bei der Auslosung am Mittwoch in Kuala Lumpur gemeinsam in die Gruppe H gezogen und stehen somit vor zwei politisch brisanten Duellen. Weitere Gegner der koreanischen Teams sind der Libanon, Turkmenistan und Sri Lanka. Die Gruppenersten und die vier besten Zweiten qualifizieren sich für die nächste Runde.

Zuletzt hatte der Sport den verfeindeten Bruderstaaten mehrfach zur Annäherung gedient. Sowohl bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang als auch bei den Asienspielen in Indonesien waren Sportler beider Nationen gemeinsam unter der blau-weißen Einheitsflagge ins Stadion eingezogen. In Pyeongchang gab es eine gemeinsame Mannschaft im Eishockey-Wettbewerb der Frauen.

Seit dem Koreakrieg (1950-53) befinden sich Süd- und Nordkorea offiziell im Kriegszustand. Damals wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet, jedoch kein Friedensvertrag.

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Matthias Sammer im Interview

Matthias Sammer empfindet sein Aus als TV-Experte bei Eurosport als persönliche Befreiung. “Wenn ich das Gefühl nicht gehabt hätte, dass es mich auch befreit, wäre es der falsche Schritt gewesen. Aber das war es nicht”, sagte der Europameister von 1996 im SID-Interview.

250 Tage Aufwand im Jahr waren für den “Hyper-Perfektionisten” Sammer physisch und mental zu viel. “Sie haben ein, zwei Tage Anreise, 34 Spiele. Zwei Gegner, die mit zwei, eher drei Tagen betrachtet werden. Dann habe ich die Szenen selbst rausgesucht und noch ein Meinungsformat gemacht”, erklärte Sammer: “Es kam die Erkenntnis, dass ich das nicht mehr möchte, mich befreien wollte.” Die Zeit bei Eurosport sei “fantastisch” gewesen, “das ganze Team überragend. Doch es kam das Gefühl, dass körperlich-geistig der Zeitpunkt war, aufzuhören.”

Matthias Sammer im Wortlaut beim SID

SID: “Matthias Sammer, haben Sie mehr Spiele von der U21-EM oder der Frauen-WM gesehen?”

Sammer: “Es hält sich die Waage. Ich liebe das Spiel an sich. Ich war traurig, dass die Frauen ausgeschieden sind.”

SID: “Können Sie das noch: ohne professionellen Blick Fußball gucken?”

Sammer: “Ich kann gut unterscheiden, ob ich in der Verantwortung stehe oder nicht. Ich versuche, einen Mittelweg zu finden. Ich lasse mich auch mal berieseln.”

SID: “Sie betreuen mit der App GOKIXX als Chefstratege junge Spieler ganzheitlich. Sind die Zeiten vorbei, in denen Spieler wie Miroslav Klose es von außerhalb des Systems ganz nach oben schaffen konnten?”

Sammer: “Es ist die Aufgabe, das Bestmögliche für die Jugendlichen zu wollen. Individualisierung beginnt nicht erst mit 18. Es gibt die Klubs, den DFB, das Elternhaus, die Berater. Aber es gibt vielleicht auch etwas dazwischen. Das halte ich für eine interessante Herangehensweise: Eine Nische zu entdecken, die mit viel Inhalt kommt, aber auch eine neutrale Instanz sein kann.”

Matthias Sammer mit Hans-Joachim Watzke. Fotos: Imago Images / ActionPictures

SID: “Wo steht der deutsche Nachwuchs im Jahr 2019?”

Sammer: “Wir können ergebnistechnisch nur bedingt zufrieden sein, was die U17 international betrifft, die U19. Die U21 hat eine gute EM gespielt. Die Delle, die wir durchlaufen haben, wird uns nicht groß wehtun. Die Qualität an jungen Spielern, die jetzt nachkommen aufgrund der Entwicklung, die vor vier, fünf Jahren eingeleitet wurde – lassen wir vier, fünf Jahre weg, die wir es nicht gut gemacht haben – wird verhindern, keine starke Nationalmannschaft zu haben. Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Niklas Süle. Julian Brandt, Kai Havertz, da ist eine Menge Qualität. Doch jetzt heißt es wieder: nur noch individuell! Da müssen wir aufpassen. Wenn du nur in der Individualisierung bist, wirst du keine Leader mehr entwickeln.”

Über die Kluft zwischen Nachwuchs und Profis

SID: “Wird die Kluft zwischen Nachwuchsteams und den Bundesliga-Mannschaften immer größer?”

Sammer: “Direkt aus dem Nachwuchs bei Bayern München oder Borussia Dortmund hineinzukommen, ist fast nicht mehr möglich. Wenn es einem absoluten Spitzenverein gelingt, einen Spieler aus dem Nachwuchs in vier Jahren hochzuführen, hat er seine Aufgabe erfüllt. Aber Nachwuchsarbeit ist ja nicht nur für die Spitze.” 

SID: “Die Verpflichtung immer jüngerer Spieler ist auch das Zocken auf den nächsten Weltstar. Wirkt das nicht blockierend?”

Sammer: “Im Gegenteil. Das ist eine Nische, die Du besetzen kannst.”

SID: “Wenn Sie junge Spieler betreuen: Inwiefern werden diese darauf vorbereitet, dass es auch nicht klappen kann?”

Sammer: “Es können viele Einflussfaktoren kommen, bis hin zum Super-GAU Verletzung oder Krankheit. Es gibt keine Garantie. Es ist nur ehrlich, die jungen Leute auch auf das Leben vorzubereiten – nicht nur auf den Fußball.”

Sammers Einschätzung zu Moukoko

SID: “Youssoufa Moukoko aus der BVB-Jugend gilt als frühreifes Supertalent. Ist er jemand, von dem Sie sagen: Sowas habe ich noch nie gesehen?”

Sammer: “Der Junge kann nichts dafür, dass er so gut ist. Dass wir so viel über ihn reden, zeigt aber, dass wir früher mehr Talente hatten, die außergewöhnlich waren. Was ihm gelungen ist, knapp 50 Tore in der B-Junioren-Bundesliga, das war früher bei den Topleuten Normalität! Darüber müssen wir nachdenken.”

SID: “Gibt es Talente, bei denen für Sie außer Frage steht: Das wird ein Großer?”

Sammer: “Die Komplexität der Beurteilung lässt einen mutig sein in der Prognose. Aber wir reden ja nicht über die sieben, denen es keiner zugetraut hat – die es aber geschafft haben! Wir suchen immer die Stecknadel im Heuhaufen. Das ist unnötig.”

SID: “Der BVB hat sich eine offensivere Kommunikation verordnet. Tragen Sie als Berater das mit oder hatten Sie gar Einfluss darauf?”

Sammer: “Meine Aufgabe ist, Diskussionen zu befruchten und auch bewusst antizyklisch zu denken. Die Strategie haben wir diskutiert. Aber die Entscheidungen treffen die Verantwortlichen. Ich finde es nicht so schlecht: Guter Dinge zu sein, ohne Ziele zu haben, macht auch überhaupt keinen Sinn.”

Sammer: BVB muss auf sich selbst schauen

SID: “Ist BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zum Schluss gekommen, die Lücke zu Bayern München schließen zu können?”

Sammer: “Wenn du selbst Erster werden willst, musst du auf den anderen niemals schauen. Aber es klingt eben auch für die Medien besser, als wenn du sagst: ‘Wir gehen sowieso unseren eigenen Weg.’ Der Klub will sich entwickeln, stabilisieren, er ist hungrig auf Erfolg und Titel.”

SID: “Welchen Anspruch transportiert die öffentlich gut beurteilte Transferpolitik?”

Sammer: “Ich bin bei Uli Hoeneß, der gesagt hat: Alles, was der BVB gemacht hat, muss sich ja erst mal beweisen. Wer das sagt, weiß, wie Fußball funktioniert. Es ist die Wahrheit! Wenn alles, was jetzt schön ausschaut, nicht funktioniert, sind die, die das nach oben geschossen haben, die ersten, die persönlich beleidigt sind. Nicht die Öffentlichkeit macht dich zum Meister, sondern die Leistung.” 

SID: “Beim FC Bayern scheint es in Sachen Transfers zu haken. Wie blicken Sie auf Ihren früheren Arbeitgeber?”

Sammer: “Was diskutiert und kommentiert wird, ist abenteuerlich. Manchmal war der Verein etwas früher dran, manchmal hat er gewartet. Der Markt ist überhitzt. Man muss im Leben auch mal warten können. Ich glaube, dass sie warten.”

Sammer über sein Aus bei Eurosport

SID: “Sie haben als Eurosport-Experte aufgehört. War das eine Befreiung?”

Sammer: “Ja. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Es ist logisch: Wenn ich das Gefühl nicht gehabt hätte, dass es mich ein Stück befreit, wäre es der falsche Schritt gewesen. Aber das war er nicht.”

SID: “Sie haben 250 Tage Aufwand im Jahr genannt.”

Sammer: “Sie haben ein, zwei Tage Anreise, 34 Spiele. Zwei Gegner, die mit zwei, eher drei Tagen betrachtet werden. Dann habe ich die Szenen selbst rausgesucht und noch ein Meinungsformat gemacht.”

SID: “Haben Sie die Belastung körperlich gemerkt? Mental?”

Sammer: “Schwer zu sagen. Es kam die Erkenntnis, dass ich das nicht mehr möchte, mich befreien wollte. Die Zeit bei Eurosport war fantastisch, das ganze Team überragend. Doch es kam das Gefühl, dass körperlich-geistig der Zeitpunkt war, dass ich aufhören möchte.”

SID: “Haben Sie einen Hang zum Hyper-Perfektionismus? Dazu, Dinge bis zur Besessenheit zu treiben?”

Sammer: “Leider! Leider zu groß, glaube ich. Da ist das Beste gerade gut genug. Dadurch werde ich immer darauf achten müssen, mich so zu organisieren, dass alles auch lösbar ist.”

Sammer über seine Zukunft

SID: “Wo soll Ihr Weg hinführen?”

Sammer: “Der Fußball bleibt. Oft wird mich mein Weg nach Mallorca führen, Borussia Dortmund bleibt ein Bestandteil. Es gibt andere Aufgaben. Ich glaube, ich bin in der Lage, das zu leisten. Und wenn ich es nicht mehr glaube, verändere ich mich da auch.”

SID: “Sie wollen sich einen Teil Ihres Lebens freihalten?”

Sammer: “Ja. Ich will Themen mit viel höherer Intensität wahrnehmen. Die Gespräche mit den Kindern, die fast keine Kinder mehr sind. Mit Aufmerksamkeit und Nachhaltigkeit leben. Das ist, worauf ich mich schon länger gefreut habe. Die Kinder werden groß, das Leben mit meiner Frau nimmt andere Konturen an. Das will ich unbedingt in Gänze und nicht nebenbei erleben.”

Das Interview führten Thomas Nowag und Jens Diestelkamp