Mats Hummels teurer, erfahrener – aber auch besser?

Vor drei Jahren wurde Mats Hummels von Teilen der Gelben Wand ausgepfiffen und aufs Übelste beleidigt. Jetzt soll die Südtribüne ihn als verlorenen Sohn wieder in ihr großes Herz schließen. Der Rio-Weltmeister wechselt ein zweites Mal vom deutschen Rekordmeister Bayern München zu Borussia Dortmund und kehrt wie vor ihm WM-Held Mario Götze zum BVB zurück.

Das bestätigten beide Klubs am Mittwochnachmittag in knappen Pressemitteilungen – ohne Hummels oder einen der Vereinsbosse zu zitieren. Es sei “eine grundsätzliche Einigung” erfolgt, hieß es in der Verlautbarung der Bayern. Der Transfer stehe aber “unter der aufschiebenden Bedingung des noch zu absolvierenden Medizinchecks”, schrieb der BVB. Hummels weilt mit Ehefrau Cathy im Urlaub in Miami.

Niemals geht man so ganz: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc verabschiedeten Mats Hummels vor drei Jahren mit Erinnerungsfotos. Darauf steht: “Danke Mats!” Jetzt kam der Dank zurück. Foto: Imago Images / Revierfoto

Der 30-Jährige soll in Dortmund einen Vertrag bis 2022 erhalten. Dort, wo er bis 2016 in achteinhalb Jahren mit 309 Pflichtspielen (25 Tore) zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg gefeiert hatte. Die Ablöse für den ehemaligen Nationalspieler, der in München bis 2021 gebunden war, liegt inklusive erfolgsabhängiger Bonuszahlungen bei 38 Millionen Euro. Damit ist Hummels sogar drei Millionen Euro teurer als bei seinem Abschied vor drei Jahren.

Bei Mats Hummels hatte der BVB-Boss eine Vorahnung

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“Ich gehe davon aus, dass wir uns wiedersehen, und ich kann Dir eins sagen: Du bist beim BVB immer extrem willkommen”, hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Hummels damals auf dem Bankett nach dem gegen die Bayern verlorenen Pokalfinale zugerufen. Doch die Rückholaktion spaltet beide Fanlager.

Während viele Bayern-Anhänger ihrer Nummer 5 hinterhertrauern, sehen nicht wenige Dortmunder das Comeback skeptisch. Das Urteil im Netz geht von “Weltklassespieler” und “Verstärkung” bis hin zu “viel zu langsam” und “Auslaufmodell”. Als Hummels vor drei Jahren seinen Wechselwunsch hinterlegt und der BVB dies per Ad-hoc-Meldung bekannt gemacht hatte, wurde er zur Zielscheibe der enttäuschten Fans. Hummels sprach frustriert von einer “Drecksmitteilung”. Watzke distanzierte sich von den Pöblern, deren Reaktion Sportchef Michael Zorc “beschämend” nannte.

Jetzt hat die Borussia zwar fünf Innenverteidiger im Kader, mit Ausnahme von Ömer Toprak (29) jedoch nur junge Spieler. Hummels könnte mit seiner Erfahrung zu der Leitfigur werden, die im jüngsten Titelkampf schmerzlich vermisst wurde.

In München war Mats Hummels verzichtbar

In München war das Eigengewächs (1995 bis Januar 2008) beim Anhang beliebt, doch für die Bosse nach insgesamt 118 Profispielen (acht Tore), drei Meisterschaften und einem Pokalsieg verzichtbar. Er selbst sah angesichts der teuren Verpflichtungen der Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard wohl keine echte Perspektive mehr. Außerdem gehörte er zu den Kritikern von Trainer Niko Kovac, der Niklas Süle zum Abwehrchef gemacht hatte.

In der Kicker-Rangliste steht Mats Hummels vorne

Hummels, laut Kicker-Rangliste bester Bundesliga-Innenverteidiger der Rückrunde, ist bereits der vierte Großeinkauf des BVB, der den Bayern nach der Schale trachtet. Zuvor hatte die Borussia für das von Watzke ausgerufene Unternehmen Gipfelsturm bereits die Nationalspieler Julian Brandt (Bayer Leverkusen) und Nico Schulz (TSG Hoffenheim) sowie den Belgier Thorgan Hazard (Borussia Mönchengladbach) für insgesamt 76 Millionen Euro verpflichtet.

Mit Rückholaktionen hat Dortmund gemischte Erfahrungen gemacht. Nuri Sahin und Shinji Kagawa floppten. Andreas Möller oder Marco Reus wurden zu Anführern. Bei Götze, der 2016 nach drei durchwachsenen Bayern-Jahren wieder “nach Hause” kam, steht ein endgültiges Urteil noch aus.

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Ehemaliger Uefa-Boss Michel Platini wieder auf freiem Fuß

Michel Platini durfte raus

Der ehemalige Uefa-Präsident Michel Platini ist wieder auf freiem Fuß. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. Demnach durfte der 63-Jährige nach mehrstündiger Befragung das Polizeirevier in Nanterre verlassen. In seinem Verhör ging es um dubiose Umstände zur WM-Vergabe 2022 an Katar. “Er ist nicht länger in Gewahrsam”, sagte Platinis Anwalt William Bourdon in der Nacht zum Mittwoch. Laut seiner Aussage habe es “viel Lärm um Nichts” gegeben.

Platini soll nach AFP-Angaben erschöpft gewirkt haben, nachdem er das Polizeibüro im westlichen Pariser Vorort Nanterre verlassen habe. “Es war lang, aber angesichts der Vielzahl an Fragen konnte es nur lang werden. Ich wurde über die Europameisterschaft 2016, die WM in Russland, die WM in Katar und die Fifa befragt”, ließ Platini in einer Stellungnahme mitteilen. 

Platini lässt Festnahme dementieren

Bourdon hatte bereits zuvor dementiert, dass Platini, der die Uefa von 2007 bis zu 2015 geführt hatte, überhaupt festgenommen wurde. Vielmehr sei er “als Zeuge” gewesen. “Er hat absolut nichts Falsches getan und er bekräftigt, dass er in keinerlei Verbindung zu den Fakten des fraglichen Falles steht, welche ihm unbekannt sind”, hatte der Rechtsbeistand am Dienstag in einem Statement gesagt. 

Michel Platini mit Sepp Blatter
Michel Platini mit Sepp Blatter. Foto: Imago / i Images

Über die Festnahme Platinis im Rahmen der Korruptionsuntersuchungen zur Vergabe der WM an Katar war das Thema am Dienstag. Es bestehe der Verdacht der “aktiven und passiven Korruption”, berichtete AFP. Im Zentrum der Untersuchung steht ein Treffen mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Tamim Bin Hamad Al Thani, Emir von Katar, und Hamad Ben Jassem, damaliger Premierminister Katars im November 2010. Damals sollen Absprachen bezüglich der Vergabe der WM 2022 nach Katar getroffen worden sein.

Fifa-Sperre läuft im Oktober 2019 aus

Die Festnahme Platinis bedeutete den nächsten dunklen Punkt in der Karriere des Europameisters von 1984. Schon 2015 platzte sein Traum vom Präsidentenamt beim Weltverband Fifa, nachdem man ihn wegen einer dubiosen Zahlung der Fifa über 1,8 Millionen Euro gesperrt hatte. Seine später von acht auf vier Jahre reduzierte Suspendierung läuft im Oktober 2019 aus.

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Super League: Neue Idee auf dem Tisch

Andrea Agnelli will die Super League

In der Debatte um die von ECA-Präsident Andrea Agnelli geplante Einführung einer europäischen Superliga liegt nun offenbar ein neuer Vorschlag auf dem Tisch. Nach Informationen der Sport Bild hat die französische Ligue 1 ein Modell mit 36 teilnehmenden Klubs entwickelt. Dadurch soll es sechs Sechsergruppen geben.

Das Teilnehmerfeld soll sich demnach wie folgt zusammen setzen.

  • Die acht Viertelfinalisten der Vorsaison bleiben im Wettbewerb.
  • Die vier Halbfinalisten der Europa League 1 steigen auf.
  • 18 Klubs qualifizieren sich aus den ersten zehn nationalen Ligen des Uefa-Rankings.
  • Dazu kommen sechs Vereine aus kleineren Ligen.
  • Jeweils die Gruppenersten und Gruppenzweiten würden ins Achtelfinale einziehen.
  • Dazu die vier besten Gruppendritten.
Alte Trophäe für die neue Champions League
Alte Trophäe für die neue Champions League. Foto: Imago / VI Images

Sowohl die 36 Profi-Klubs der Deutschen Fußball Liga (DFL) als auch die größten Klubs aus Italien hatten den Reformplänen Agnellis, Chef der Europäischen Klub-Vereinigung ECA, zuletzt eine klare Absage erteilt. Der Agnelli-Vorschlag hatte 24 feste Klubs vorgesehen und nur noch vier, die sich über die nationalen Ligen qualifizieren können.

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Youssoufa Moukoko verdient besonderen Schutz

Youssoufa Moukoko beim Torschuss

Wann immer die Diskussion auf Youssoufa Moukoko kommt, das Supertalent von Borussia Dortmund, hört man im selben Moment Zweifel an seinem Alter. Plötzlich werden Ferndiagnosen laut, dass der Teenager niemals 14 Jahre alt sein könne und seine Eingruppierung in die U17 mehr als großzügig bemessen sei. Zwei Atemzüge später stellt man die Geburtsurkunde infrage oder fordert einen genetischen Alterstest.

Die meisten, die in den Sozialen Netzwerken das große Wort schwingen, haben ihn weder live Fußball spielen gesehen noch mit ihm ein persönliches Gespräch geführt. Man muss es so offen sagen: Diese Form von Unterstellungen ist unverschämt. Zu schnell wird nämlich vergessen, dass Youssoufa Moukoko ein Kind ist. Niemand kann darum ermessen, wie die wilden Spekulationen bei ihm ankommen.

Youssoufa Moukoko beim Dribbling
Youssoufa Moukoko beim Dribbling. Beide Foto: Imago Images / Team2

Auf Instagram hat er jetzt Stellung bezogen. Aus seinen Sätzen klingen Enttäuschung und Verzweiflung heraus, wenn er schreibt: “Es war einfach unglaublich und vieles wurde über mich geschrieben und ich sag es nochmal: ich kann nichts dafür, dass es gut läuft und dass ich das Geschenk von Allah bekommen habe, ich werde mich dafür nicht schämen, dass ich im Fußball gut bin !!!” 50 Tore hat er in U17-Bundesliga erzielt. Das ist Rekord.

Man sollte sich mit Youssoufa Moukoko freuen

Und statt sich zu freuen, dass Youssoufa Moukoko sein sagenhaftes Talent in den deutschen Junioren-Nationalmannschaften zeigen darf, werden die nicht belegbaren Vorwürfe weiter geteilt. Wie bei Donald Trump. Er unterstellte bei Barack Obama so lange Unsinn, bis zu viele Menschen bezweifelten, dass der damalige US-Präsident tatsächlich Amerikaner ist. In diesem Fall ist es sogar schlimmer. Wie gesagt: Youssoufa Moukoko ist noch ein Kind.

Sind wir Deutschen erst zufrieden, wenn er die Freude am Fußball verliert? Die Luft auf die deutsche Nationalmannschaft? Worin soll der Sinn bestehen, immer und immer wieder unbegründet sein Alter in Zweifel zu ziehen? Ist das Vertrauen in die BVB-Jugendabteilung um Lars Ricken so gering, dass man den Mitarbeitern dort die Rechtmäßigkeit ihres Handelns nicht zugesteht?

Sorry, man kann darüber nur den Kopf schütteln.

Gerüchte über Gerüchte: FC Bayern unter Zugzwang

Hasan Salihamidzic mit Uli Hoeneß

Bei Bayern München sind weiter einige Personalfragen offen. Gerüchte gib es genügend.

Hasan Salihamidzic fand bei einem Charity-Golfturnier an der Costa Smeralda auf Sardinien kurz Ablenkung vom stressigen Manager-Alltag. Ansonsten ist der Sportdirektor von Bayern München derzeit schwer auf Achse, um weiter an der Mannschaft der Zukunft des deutschen Fußball-Rekordmeisters zu basteln.

Noch sind einige Personalfragen offen, doch Salihamidzic will sich nicht drängen lassen. “Wir wollen einiges machen auf dem Transfermarkt”, sagte er bei Omnisport, “aber wir haben jetzt einige Monate Zeit, um daran zu arbeiten. Wir müssen entspannt und geduldig bleiben, um dann zu sehen, was möglich ist.”

Beim FC Bayern wenig Entspannung zu spüren

Hasan Salihamidzic
Hasan Salihamidzic. Foto: Imago Images / Defodi

Doch wie immer, wenn es um den FC Bayern geht, ist von Entspannung wenig zu spüren. Vielmehr herrscht in der Münchner Gerüchteküche Hochbetrieb – und das nicht nur wegen der sich anbahnenden Rückkehr von Mats Hummels nach Dortmund.

Befeuert werden die Spekulationen aus allen Richtungen. Am Wochenende vermeldete etwa die englische Boulevardzeitung Sun, dass die Bayern Stürmerstar Gareth Bale von Real Madrid für ein Jahr ausleihen wollen. 

Wesentlich mehr Gehalt dürfte die Information des kicker besitzen, dass die Bayern einen Transfer von Rodrigo (22) von Atletico Madrid in Betracht ziehen. Der defensive Mittelfeldspieler soll in seinem bis 2023 laufenden Vertrag eine Ablöse von 70 Millionen Euro festgeschrieben haben.

Verpflichtung von Leroy Sané offen

Weiter offen ist eine Verpflichtung von Leroy Sane von Manchester City, an dem die Bayern offiziell ihr Interesse signalisiert haben. Noch hat sich der 23-Jährige, Wunschspieler der Bayern, nicht positioniert.

Erstaunlich ruhig ist es in München indes um die Personalie Timo Werner geworden. Ob der Nationalstürmer überhaupt noch ein Thema ist? “Bisher hat sich noch kein Verein gemeldet, der gesagt hat, er wäre mit Timo einig und wolle ihn verpflichten”, sagte Leipzigs bisheriger Trainer Ralf Rangnick dem kicker.

Auch im Fall von Ex-Weltmeister Jerome Boateng, der den Verein laut Präsident Uli Hoeneß verlassen soll, gibt es nichts Neues. Bei Hummels geht es dagegen angeblich nur noch um die Ablöse. Den Bayern sollen die kolportierten 20 Millionen plus erfolgsabhängiger Bonuszahlungen zu wenig sein.

Ersatzkandidaten für die Bayern-Abwehr

Als Ersatz für Hummels und Boateng haben türkische Medien schon mal Ozan Kabak ins Spiel gebracht. Der 19 Jahre alte Innenverteidiger von Absteiger VfB Stuttgart besitzt eine Ausstiegsklausel für 15 Millionen Euro.

Sicher sind beim FC Bayern bisher nur die Transfers der Weltmeister Lucas Hernandez (Atletico Madrid/80 Millionen) und Benjamin Pavard (VfB Stuttgart/35) sowie von Sturmtalent Jann-Fiete Arp (Hamburger SV/3).

Und sonst? Selbst um Thomas Müller gibt es aktuell Spekulationen. Dem Münchner Urgestein liege ein Angebot aus China vor, heißt es. Rund 25 Millionen Euro Verdienst pro Jahr sollen dem 29-Jährigen geboten worden sein, Müller reize dies aber nicht.

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