Jürgen Klopp: Locker zum Champions-League-Triumph

So locker gab sich Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, beim Abschlusstraining

Das letzte Finale, das Jürgen Klopp gewonnen hat, das DFB-Pokalfinale 2012, hat ihm nicht gutgetan. Noch auf der Haupttribüne des Berliner Olympiastadions fiel beim unterlegenen Gegner FC Bayern München die Entscheidung: Diese Demütigung beim 2:5 gegen Borussia Dortmund lassen wir uns nicht gefallen.

Zur Stabilisierung des Mittelfelds holten die Bayern Javier Martinez für die damalige Rekordsumme von 40 Mio. Euro. Den Sturm um Mario Gomez verstärkte Mario Mandzukic für 13 Mio. Euro. In der Rückrunde erlebte Klopp dann seinen Tiefschlag: Sein bester Spieler Mario Götze gab den unerwarteten Wechsel zu den Bayern bekannt.

Zwar erreichten die Dortmunder mit zwei Traum-Auftritten gegen Malaga und Real Madrid das Finale der Champions League 2013. Aber der Machtwechsel war vollzogen. Bayern siegte nicht nur in der Königsklasse. In jenem Jahr begann die Serie mit jetzt sieben Meisterschaften in Folge. Klopp gewann seitdem kein Finale mehr. Keines von sechs.

Klopp vertreibt Gespenster der Vergangenheit

Dass Klopp jedesmal, je öfter er mit einer Mannschaft ins Endspiel kam, an diesen angeblichen Fluch erinnert wird, macht die Sache nicht einfacher. Der Kräftevergleich zweier Klubs wird dadurch zwangsläufig zu einer ganz persönlichen Angelegenheit. Der deutsche Trainer muss beim FC Liverpool die Gespenster der Vergangenheit immer wieder vertreiben.

Ungerecht ist die Situation sowieso. Schnell vergessen die Heckenschützen bei ihrer Stichelei, dass der zweite Startrainer der Premier League gerne mit Klopp tauschen würde. Pep Guardiola zog weder bei Bayern München noch jetzt bei Manchester City in das Finale der Champions League ein. Klopp in diesen sechs Jahren aber dreimal.

Geld allein kann es also nicht sein, was einen sehr guten Trainer von einem guten unterscheidet; Guardiola durfte noch mehr für neue Spieler ausgeben. Mit Geld alleine wäre ohnehin nicht zu erklären, warum der FC Liverpool im Halbfinale gegen die Messi-Truppe aus Barcelona das 0:3 aus dem Hinspiel mit einem 4:0 im Rückspiel kontern konnte.

Klopp setzt beim FC Liverpool Kräfte frei

Klopp setzt Kräfte frei: An der Anfield Road wuchs der mitleidig geführte Traditionsverein mit gelegentlichem Zwischenhoch zu einer sportlichen Großmacht heran. Die dritte Teilnahme an einem Europapokal-Finale in Folge ist Ausweis nachhaltiger Qualität und eben nicht flüchtiger Motivationskunst.

Wer meinte, dass die zwei Torwartfehler im Finale des Vorjahres die Mannschaft brechen könnte, sieht sich nun getäuscht. Der FC Liverpool kehrt selbstbewusster und siegessicher ein Jahr nach der Pleite gegen Real Madrid zurück. Und 97 Punkte holt in der Premier League nur, wer zwölf Monate geistig und körperlich auf höchstem Niveau arbeitet.

Das alles darf man nicht vergessen, wenn Jürgen Klopp heute Abend im letzten Spiel der Saison erneut Rechenschaft über seine Trainerarbeit abzuliefern hat. FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur, das riecht nach einem Klopp-Triumph. Aber es wäre falsch, sein Wirken und seine Wirkung erneut allein an diesem einen Fußballspiel zu messen.

Die Bayern, und das mag Nebenlohn sein, hat er seit Jahren abgehängt.

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Matthias Sammer jetzt im Team Klopp

Sammer bewundert Klopp

Eurosport-Experte Matthias Sammer hofft im Champions-League-Finale am Samstag (21.00 Uhr/Sky und DAZN) auf einen Triumph des FC Liverpool – wegen Jürgen Klopp. “Als ich noch bei Bayern München und er Trainer in Dortmund war, haben wir uns das eine oder andere Mal gekabbelt. Aber mit jedem Tag Abstand mehr nötigt es mir allergrößten Respekt ab, was er in Liverpool für den deutschen Fußball und das Ansehen der Trainer leistet”, sagte der Europameister von 1996. 

Was Klopp leiste und entwickle, sei “außergewöhnlich und überragend. Natürlich ist er zwischendurch mal angegriffen worden, dass er zu wenig Titel gewinnt. Aber wenn man sich anschaut, wie viele Punkte Liverpool diese Saison geholt hat, das ist Wahnsinn.” Dennoch war Manchester City in der Premier League mit 98:97 Punkten englischer Meister geworden. Im Champions-League-Endspiel spielt Liverpool in Madrid gegen Tottenham Hotspur.

Jürgen Klopp kann am Samstag seine vierte Endspielpleite mit dem FC Liverpool kassieren, insgesamt sogar seine siebte in Folge. Das wäre eine Horrorserie und würde sein Image nachhaltig beschädigen. Das kann nicht in seinem Interesse sein.

Es ehrt den 51-Jährigen zwar, dass er seine Arbeit nicht an Titeln messen lassen will. Und niemand würde auch bei einer Niederlage im Champions-League-Finale gegen Tottenham Hotspur ernsthaft daran zweifeln, dass Klopp der richtige Mann für Liverpool ist. Doch Erfolg ist notwendig, damit seine zweifellos beachtlichen Leistungen nachhaltig in Erinnerung bleiben und Bestätigung finden. Diesen hat er – gemessen an Titeln – bisher nur in Dortmund gehabt.

Den Sprung ins Endspiel der Champions League, eine weitere Ligasaison mit 97 Punkten – so etwas kann sein Team nicht in jedem Jahr schaffen. Klopp muss seine Chancen endlich nutzen. Der Druck lastet im Finale von Madrid, ob er es zugeben möchte oder nicht, daher vor allem auf ihm.

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Frauen-WM mit Aussicht auf Rekordprämie

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg mit Lena Goeßling (links)

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg freut sich auf ein Gartenfest mit der Familie, die Spielerinnen nutzen das freie Wochenende zur Verschnaufpause: Mit einer WM-Rekordprämie vor Augen ist für das Frauenfußball-Nationalteam vor der ersten Etappe der “Tour de France” Regeneration angesagt.

Denn schon am Montagnachmittag bricht der zweimalige Titelträger auf zur Endrunde in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli). Nach dem 2:0 (2:0) in der Generalprobe gegen Chile mit viel Selbstvertrauen und zusätzlicher Motivation.

Frauen-WM: Diesmal 75.000 Euro Prämie möglich

Am Freitag ließ der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nämlich verlauten, dass jeder Spielerin im Falle des Titelgewinns 75.000 Euro winken – 10.000 Euro mehr als bei der vergangenen Endrunde in Kanada ausgelobt waren. Zum Vergleich: Das Männer-Team hätte für eine erfolgreiche Titelverteidigung in Russland 350.000 Euro pro Kopf erhalten.

Nach der einwöchigen Vorbereitung in Bayern kann es also losgehen. “Es wird jetzt auch wirklich Zeit”, sagte Voss-Tecklenburg, die aller Voraussicht nach auf ihre Nummer eins bauen kann. Denn Almuth Schults lädierte Schulter hielt der Belastungsprobe im Duell mit dem WM-Neuling stand – wenngleich sie von den defensiven Südamerikanerinnen herzlich wenig geprüft wurde.

Schulter der Torhüterin hält Belastung stand

“Ich denke, ich kann meinen WM-Koffer packen”, sagte die Wolfsburgerin, deren rechte Schulter ein neonpinkes Tape schmückte. “Ich habe keine Angst, ziehe nicht zurück, ich fühle mich gut.” Die Chefin gab entsprechend grünes Licht. “Stand jetzt fährt Almuth mit zur WM”, so Voss-Tecklenburg.

Nach der Ankunft in Rennes geht es dann an den Feinschliff. Denn nicht nur die Bundestrainerin vermisste neun Tage vor dem Auftaktspiel gegen China (8. Juni, 15.00 Uhr/ARD) noch “die letzte Konsequenz und Präzision”. Während defensiv gut gearbeitet wurde, ließ das nominell offensivste Team Chance um Chance liegen.

“Man hat gesehen, dass noch Luft nach oben ist”, sagte Alexandra Popp. Die Kapitänin brachte die DFB-Auswahl nach einem Eckball von Carolin Simon in Führung (29.), das 2:0 erzielte die Vorbereiterin per Sonntagsschuss aus rund 30 Metern an den Innenpfosten (45.+2.) selbst.

Gute Laune im Frauen-Team

“Der war natürlich genau so gewollt”, scherzte die Linksverteidigerin von Champions-League-Sieger Olympique Lyon. Ähnlich gut gelaunt strahlte nach der Partie Innenverteidigerin Marina Hegering (29), die sich nach jahrelangen Problemen mit einer Fersenverletzung nach nur drei Länderspielen in die Startelf gespielt hat.

Für glänzende Augen sorgten auch die 10.135 Zuschauer bei Kaiserwetter am Feiertag in Regensburg. “Die wunderbare Stimmung lässt das WM-Fieber steigen”, befand “MVT”. Beflügelt vom Rückenwind will der Olympiasieger nach dem dritten Stern greifen.

“Klar haben wir den ganz großen Traum, wissen aber, wie schwierig es wird”, sagte Simon. Schult pflichtete bei: “Wir können jeden schlagen. Uns ist aber klar, dass vielleicht schon im Achtelfinale ein dicker Brocken wartet, wenn wir nicht Gruppensieger werden.”

Als größter Rivale im Kampf um Platz eins in Gruppe B gilt der zweite Gegner Spanien (12. Juni/Valenciennes). Im dritten Vorrundenspiel ist Deutschland gegen den WM-Debütanten Südafrika (17. Juni/Montpellier) klarer Favorit.

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Champions-League-Finale: Von Rittern und Königen, Deutschen und Schnibblern

Champions League Finale mit Mo Salah

Ein “Räumpanzer”, ein Nachkomme deutscher Auswanderer, ein Jürgen-Klopp-Schreck: Drei Spieler vom FC Liverpool und drei von Tottenham Hotspur sind die Männer, auf die es im Champions-League-Finale am Samstag (21.00 Uhr/Sky und DAZN) ankommt. Der Sport-Informationsdienst (SID) stellt sie vor.

Der Räumpanzer

VIRGIL VAN DIJK (Innenverteidiger, 27, Liverpool): “Ich habe vor niemandem Angst”, sagte der 1,93-Meter-Mann mit dem dunklen Haarknoten einmal in einer TV-Show. Und der Lügendetektor, an den er angeschlossen worden war, machte “Bing!”. Grünes Licht. Es war die Wahrheit. Warum sollte er auch Angst haben? Der Niederländer ist der beste Innenverteidiger der Welt, Jürgen Klopp nennt ihn “Räumpanzer”. Damit ist alles gesagt.

Der Ritter

HARRY KANE (Stürmer, 26, Tottenham): Der “HurriKane” lachte den Duke of Cambridge bei der Übergabe fröhlich an. Prinz William, britischer Thronfolger und Präsident des nationalen Verbandes FA, steckte Kane höchstpersönlich den Ritterorden an die Brust – für herausragende Verdienste um den englischen Fußball bei der WM 2018. Mit Tottenham läuft es kaum schlechter: 28 Tore in der Liga, 8 in der Champions League. Ein Mann mit gutem Timing: Pünktlich zum Finale ist Kane von einer Knöchelverletzung genesen. 

Der König

MOHAMED SALAH (Stürmer, 26, Liverpool): Pepsi hat Mo Salah gerade eine goldene Cola-Dose in Hieroglyphen-Optik gewidmet. “Der König von Ägypten”, ist darauf zu lesen. Über seinen Geburtsort Basyoun gibt es bei Wikipedia exakt eine Information: Mo Salah ist dort geboren worden, und zwar am 15. Juni 1992. Fast 27 Jahre später greift er im Traumsturm mit Sadio Mane und Roberto Firmino nach dem silbernen Henkelpott.

Der Klopp-Schreck

HEUNG MIN SON (Stürmer, 26, Tottenham): Jürgen Klopp wird sich einen besonders guten Plan überlegen müssen. Denn Son gegen Klopp – das ist für den deutschen Trainer selten gut ausgegangen. “Ich treffe sehr gerne gegen ihn”, sagt der Südkoreaner, “hoffentlich auch am Samstag.” Son gilt als wahnsinnig fleißig und liebt scharfes Essen – was niemanden wundert, der mal nach einem Restaurantbesuch in Seoul einen Liter Milch zum Ablöschen brauchte.

Der Deutsche

ALISSON BECKER: 2018 war es ein Torhüter, der Liverpool den Titel kostete: Loris Karius patzte beim 1:3 gegen Real Madrid zweimal schwer, Jürgen Klopp tröstete ihn eher widerwillig. Heute spielt Karius in der Türkei. Alisson Becker, dessen Urahnen einst aus dem Saarland nach Brasilien auswanderten, wird dies wohl nicht passieren. “O Goleiro Gato” nennen sie den Nationaltorhüter, der am Heiligen Abend Geburtstag hat: die Torhüterkatze.

Der Schnibbler

CHRISTIAN ERIKSEN (offensives Mittelfeld, 27, Tottenham): Der Däne mit dem schönen Zweit-Vornamen Dannemann wird am Samstag wahrscheinlich letztmals den Spurs-Hahn auf dem Trikot tragen. Angeblich warten beide Seiten nur das Finale ab, bevor sie Eriksens Wechsel zu Real Madrid bekannt geben. Es war ein langer Weg vom Middelfart G&BK an die Spitze – Eriksen, der Freistöße schießt wie kaum ein Zweiter, ging ihn getreu dem Spurs-Leitsatz “Audere est facere”: Es zu wagen ist, es zu tun.

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Jürgen Klopp: “Ich will das Spiel unbedingt gewinnen”

Jürgen Klopp Champions League

Jürgen Klopp wagt den nächsten Angriff auf den Henkelpott, doch dem FC Liverpool stellt sich bei der geplanten Krönung seines Teammanagers ein altbekannter Gegner in den Weg: Im Finale der Champions League müssen die Reds am Samstag (21.00 Uhr/Sky und DAZN) im rein englischen Premier-League-Duell erst Tottenham Hotspur schlagen – nur dann würde sich Klopp nach dreieinhalb Jahren an der Merseyside endgültig ein Denkmal setzen.

“Die Welt da draußen erwartet von uns, dass wir das Finale gewinnen. Von mir persönlich erwarten das viele Leute vielleicht noch ein bisschen mehr”, sagt der 51-Jährige Klopp vor seinem dritten Endspiel im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb: “Ich will das Spiel unbedingt gewinnen, aber ich will das nicht für mich. Ich will das für meine Spiele und für diesen großartigen Klub.”

Champions League: Zweiter deutscher Sieger im Ausland?

Der gebürtige Stuttgarter könnte im Wanda Metropolitano als zweiter deutsche Trainer nach Jupp Heynckes (1998 mit Real Madrid) mit einem ausländischen Klub die Königsklasse gewinnen. Sein erster Versuch mit den Reds schlug im vergangenen Jahr gegen die Königlichen fehl. Seine Premiere im CL-Endspiel mit Borussia Dortmund ging 2013 gegen Bayern München verloren. Nun also Versuch Nummer drei – es ist die letztmögliche Chance, um den von ihm versprochenen Titel in den ersten vier Jahren zu liefern.

Die Voraussetzungen dafür sind besser denn je. Ausfälle gibt es kaum zu beklagen, die Topstars um Mohamed Salah und Co. melden sich fit für den Showdown mit den Spurs. “Als beste Mannschaft, mit der ich je in einem Finale stand” bezeichnete der 51-Jährige Anfang der Woche sein Team, das nach einer historischen Ligasaison mit 97 Punkten vor Selbstvertrauen nur so strotzt. “Wir können es nicht erwarten, dass es endlich losgeht”, sagt der Schweizer Xherdan Shaqiri.

Angst vor einem erneuten Scheitern – nein!

Angst vor einem erneuten Scheitern gibt es nicht. Und selbst im Falle einer Niederlage dürfte an der Anfield Road der Hype um “König Klopp” nicht abreißen. Gefährlich wäre sie dennoch: “Wenn sie es wieder nicht gewinnen, könnte natürlich Zweifel aufkommen. Man fragt sich dann schon, was man denn noch alles tun muss, um den ganz großen Wurf zu landen. Das kann Spuren hinterlassen”, schrieb die Liverpooler Vereins-Ikone Dietmar Hamann, die 2005 im legendären Finale von Istanbul den bisher letzten Henkelpott für den LFC holte, auf skysport.de.

Die Spurs würden nur zu gerne die Klopp-Party verderben. Teammanager Mauricio Pochettino führte den Klub aus dem Londoner Norden erstmals in das Endspiel der Königsklasse, ein Erfolg wäre folglich der größte aller Zeiten in der noch jungen Vereinsgeschichte. Die Mentalität hat sie dafür gewiss. Das wies die Mannschaft um den rechtzeitig genesenen Superstar Harry Kane mehrfach nach: Beim Erfolg gegen Meister Manchester City im Viertelfinale oder dem Last-Minute-Wahnsinn bei Ajax Amsterdam.

Champions League: Viele Engländer in Madrid

100.000 englische Fans werden in der spanischen Hauptstadt erwartet, nur knapp 35.000 sollen ein Ticket für das Endspiel haben, teilte der britische Botschafter mit. Der verrückte Anhang organisierte 1500 Charterflüge in die spanische Hauptstadt. Die Polizei rüstet sich daher für den bisher größten Einsatz im Rahmen einer Sportveranstaltung. 5000 Polizisten, darunter auch britische Unterstützung von der Insel, werden im Einsatz sein.

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