Clemens Tönnies hat eigentlich keine Wahl: Er muss bei Schalke 04 zurücktreten

Clemens Tönnies ist ein Unternehmer aus Leidenschaft. Aus der Metzgerei seiner Eltern hat er gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder Bernd ein Fleisch-Imperium mit Sitz im westfälischen Örtchen Rheda-Wiedenbrück aus dem Boden gehauen. 

Der Schalke-Vorstand und sein Chef. Von links: Jochen Schneider, Clemens Tönnies, Alexander Jobst, Peter Peters. Foto: Imago Images / RHR

Man ahnt es ja: Wer mit Schweinehandel ein Weltunternehmen mit jährlich sieben Milliarden Euro Umsatz aufbaut, engste Kontakte nach Russland pflegt und nebenbei Schalke 04 durch alle Krisen leitet, liebt den Säbel mehr als das Florett. Der ist rau in Wort und Tat.

Und trotzdem: Seit Clemens Tönnies am Donnerstagabend in Paderborn Atomkraftwerke zur besseren Geburtenkontrollen in Afrika vorgeschlagen hat, reicht seine lieblos verfasste Entschuldigung, die er im Internet verbreiten ließ, nicht mehr zur Besänftigung.

Tönnies mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert

Das berühmte Schalker Umfeld will seinem Aufsichtsratsvorsitzenden den neuesten Eklat nicht durchgehen lassen. Tönnies fliegen nicht nur Rassismus-Vorwürfe um die Ohren. Eigentlich hat er keine Wahl mehr: Er muss sein Amt bei Schalke 04 aufgeben.

Denn auch das gehört zur Wahrheit: Tönnies hat gegen die eigene Satzung verstoßen. Und das wiegt in einem Verein, der mehr Werte vertritt als Meisterschaften gewinnt, besonders schwer. Unter Paragraf 2 heißt es in der Satzung wörtlich: “

”Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er bekennt sich zu den Grundsätzen der Menschenrechte. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen, insbesondere auf Grund ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder Behinderung, aktiv entgegen.”

Satzung des FC Schalke 04

Tönnies tat das Gegenteil. Beim Tag des Handwerks in Paderborn hatte er vorgeschlagen, man solle jährlich 20 neue Atomkraftwerke in Afrika finanzieren. “Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.”

Am nächsten Tag stellte der Twitter-Account “Tönnies Dialog” eine Entschuldigung ins Netz. Tönnies gab sein Bekenntnis zu einer “offenen und vielfältigen Gesellschaft” ab. “Meine Aussage zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tut mir leid.”

Die Nachricht aber erreichte nur 272 Follower. Erst zwei Stunden später folgte eine zweite Entschuldigung über die Sozialen Netzwerke des Vereins. Tönnies nannte seine Aussage “falsch, unüberlegt und gedankenlos”. Und wieder: “Es tut mir sehr leid.”

Was den Tönnies-Eklat noch schlimmer macht

Was die Sache schlimmer macht: Mit keinem Wort entschuldigt Tönnies sich bei denen, die er beleidigt hatte, sondern allein bei Schalke 04: “Vor diesem Hintergrund möchte ich mich explizit bei euch, den Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04 entschuldigen.”

Schon wirft ihm der ehemalige Fußballprofi Hans Sarpei “ein Weltbild ais der Kolonialzeit” vor. So wird das jetzt ständig gehen. Bei jeder Gelegenheit wird man Clemens Tönnies die Worte von Paderborn vorhalten.

Der Schaden, den Tönnies mit seiner Rede und der Reaktion auf die Reaktion angerichtet hat, ist enorm. Seine Verdienste um den FC Schalke sind unbestritten. Der größte Verdienst, den er Schalke leisten kann, steht ihm womöglich bevor.

Tönnies nach rassistischem Spruch: “War schlicht töricht”

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies hat sich nach seiner rassistischen Entgleisung erneut reumütig gezeigt. “Ich bin über mich selbst bestürzt, dass mir so etwas passieren konnte. Da hilft kein drum herum reden, da hilft auch keine Verschlimmbesserung, es war schlicht töricht”, sagte der 63-Jährige der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung und beteuerte, er werde das “wieder gut machen”.

Der Fleischfabrikant Tönnies hatte am Donnerstag bei der Festveranstaltung zum “Tag des Handwerks” in Paderborn eine Rede zum Thema “Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung” gehalten. Der Schalke-Boss empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte laut der Zeitung Neue Westfälische: “Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.” Schon tags darauf hatte er sich für seine Aussage entschuldigt, die in “Inhalt und Form unangebracht” gewesen sei.

Der Ehrenrat des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 hatte am Freitag bekannt gegeben, sich in der nächsten Sitzung in der kommenden Woche mit dem Thema zu beschäftigen. Dem Gremium stehen diverse Sanktionen bis hin zu einer Amtsenthebung Tönnies’ zur Verfügung. Auch der ehemalige Schalker Hans Sarpei hatte die Wortwahl scharf verurteilt und Konsequenzen gefordert. “Es sind rassistische Bemerkungen, die in keinster Weise mit dem Leitbild des FC Schalke 04 oder unserer modernen offenen Gesellschaft vereinbar sind”, schrieb der in Ghana geborene 43-Jährige bei Facebook.

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Auch für Klassiker gegen DFB-Elf: Conmebol sperrt Messi

Der Fußball-Klassiker Deutschland gegen Argentinien am 9. Oktober in Dortmund findet ohne Superstar Lionel Messi statt. Die Galionsfigur des FC Barcelona wurde am Freitag wegen ihres verbalen Rundumschlags bei der Copa America von Südamerikas Verband Conmebol für drei Monate bis Anfang November aus der Seleccion verbannt und muss zudem 50.000 US-Dollar (rund 45.000 Euro) Geldstrafe zahlen.

Nachdem Messi vor gut einem Monat beim Kontinentalturnier im Spiel um Platz drei gegen Chile (2:1) erst zum zweiten Mal in seiner Karriere die Rote Karte gesehen hatte, wetterte der 32-Jährige: “Die Korruption und die Schiedsrichter haben es nicht zugelassen, dass wir bei der Show mitmachen. Die Copa ist ein abgekartetes Spiel für Brasilien.” Und weil er nicht “Teil dieser Korruption” sein wollte, verweigerte er gar die Entgegennahme der Bronzemedaille.

Da die Strafe jedoch auf Zeit und nicht auf Pflichtspiele Anwendung findet, steht Messi den Argentiniern immerhin bei den Testspielen Mitte November und ab der zweiten Partie der im kommenden März beginnenden WM-Qualifikation in Südamerika zur Verfügung. Wegen der Rote Karte gegen Chile muss er im ersten Eliminatorias-Spiel pausieren.

Die Conmebol ging mit Messi damit weitaus milder um als mit Argentiniens Verbandspräsidenten Claudio Tapia. Der AFA-Boss war vor knapp zwei Wochen von seinem Posten im Council des Weltverbandes FIFA abberufen worden, weil er nach der 0:2-Halbfinalniederlage gegen den Copa-Gastgeber und späteren Sieger Brasilien “ernste und schwerwiegende Schiedsrichterfehler” moniert und “die Prinzipien von Ethik, Loyalität und Transparenz” infrage gestellt hatte.

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Doping: Panamas Nationalspieler Torres gesperrt

Der panamaische Fußball-Nationalspieler Roman Torres ist wegen Dopings für zehn Ligaspiele in der nordamerikanischen Profiliga MLS gesperrt worden. Dies bestätigte die Liga am Freitag. Dem 33 Jahre alte Innenverteidiger des MLS-Klubs Seattle Sounders werden zudem 20 Prozent seines Gehalts gestrichen. Torres darf für die Zeit seiner Sperre auch nicht mit dem Team trainieren.

Torres bestritt bisher 117 Länderspiele und stand bei der WM 2018 in allen drei Spielen Panamas auf dem Platz. Der Nationalheld hatte dem Team überhaupt erst das Ticket für die Endrunde beschert – mit seinem Treffer zum 2:1 in der Qualifikation gegen Costa Rica. Für Panama war es die erste Teilnahme an der Endrunde.

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Neuregelung bei Abstößen soll überarbeitet werden

Die erst zur neuen Saison geänderte Abstoßregel im Profifußball sorgt für Diskussionen und wird nach einigen Vorfällen möglicherweise nochmals überarbeitet. Das berichtet sportschau.de unter Berufung auf das International Football Association Board (IFAB), das die Regeln im Fußball festsetzt.

Konkret geht es um die Neuregelung, nach der der Ball bei einem Abstoß den Strafraum nicht mehr verlassen muss. Der Mitspieler kann den Ball noch im Strafraum annehmen. In den bisherigen Spielen der 2. Bundesliga und der 3. Liga hatten Torhüter den Ball in der Folge aber gelupft, der Mitspieler köpfte den Ball dann direkt in die Arme des Torhüters zurück. Das galt bislang als erlaubt, jedoch gibt es Zweifel, ob dieses Vorgehen der Spieler “im Geiste der Regeln” sei.

Laut IFAB wird das Thema neu diskutiert, bis dahin sollen Unparteiische bei einer Anwendung des Tricks den Abstoß wiederholen lassen. Es soll jedoch keine Strafe ausgesprochen werden.

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