King Klopp Henkelpott: Endlich am Ziel seiner Träume

Jürgen Klopp riss beim roten Feuerstoß auf dem Siegerpodest die Hände in den Himmel, dann sang er lauthals “You’ll never walk alone” und klemmte sich den Henkelpott unter den Arm. Der deutsche Trainer hat mit dem FC Liverpool dank eines Blitz-Treffers von Mohamed Salah und eines späten Tores von Divock Origi endlich die Champions League gewonnen und sich selbst ein Denkmal gesetzt. Die Reds entschieden das mäßige, aber spannende Finale gegen Tottenham Hotspur in Madrid mit 2:0 (1:0) für sich und holten zum sechsten Mal den begehrten Pokal.

Salah (2.) verwandelte schon nach 108 Sekunden einen Handelfmeter und traf Tottenham im mit 63.272 Zuschauern ausverkauften Stadion Wanda Metropolitano mitten ins Herz. Der frühere Wolfsburger Origi (87.) entschied die Partie. Die Spurs hatten erstmals in ihrer Vereinshistorie im Endspiel der Königsklasse gestanden, Liverpool gar zum zweiten Mal in Folge.

“Darauf haben wir ein Jahr hingearbeitet”

“Jetzt stehen wir hier, haben den Titel gewonnen, und ich habe das Tor erzielt. Genau dafür spielen wir Fußball. Wir hatten einen starken Gegner, aber wir waren auch selbst stark”, sagte Origi, der 2018 mit dem VfL Wolfsburg noch in der Relegation um den Klassenerhalt gekämpft hatte, bei Sky. Der Ex-Schalker Joel Matip sagte: “Darauf haben wir ein Jahr hingearbeitet, unglaublich, heute Nacht wird nicht geschlafen.”

Für Klopp endete sein Final-Fluch. Zuletzt hatte der 51-Jährige sechs Endspiele in Folge verloren, davon zwei in der Champions League. Der Sieg im wichtigsten Vereinswettbewerb Europas ist der größte Erfolg seiner Karriere. Erst als zweiter deutscher Coach nach Jupp Heynckes gewann er mit einem ausländischen Klub die Trophäe.

Champions League: Spektakulärer Beginn

Jürgen Klopp feiert seinen Triumph.

Bei Temperaturen von 30 Grad begann die Begegnung spektakulär: Nur 23 Sekunden waren gespielt, als Schiedsrichter Damir Skomina (Slowenien) nach einem Handspiel von Moussa Sissoko auf den Punkt zeigte. Salah nutzte die Chance und drosch den Ball trocken ins Netz. Auf der Bank jubelte Klopp nur verhalten, seine Hände verschwanden schnell wieder in den Hosentaschen.

“Im Grunde ist es ein normales Fußballspiel”, hatte Klopp vor dem Anstoß bei Sky gesagt. Dennoch setzte er auf eine Startelf, die in keinem der 52 vorherigen Pflichtspiele zum Einsatz gekommen war. Vom Offensiv-Trio Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane war allerdings nur wenig zu sehen. Auch das zweitschnellste Final-Tor der Champions-League-Geschichte brachte den Reds in der hektischen Anfangsphase nicht die erhoffte Ruhe.

Kaum Torchancen im Champions-League-Finale

Stattdessen war Tottenham mindestens ebenbürtig. Die Spurs standen extrem hoch und zwangen die Reds mit Erfolg zu langen Bällen. Allerdings fehlten den Londonern offensiv jegliche Ideen. Auch der lange verletzte WM-Torschützenkönig Harry Kane, der erstmals seit siebeneinhalb Wochen wieder auf dem Platz stand, hing häufig in der Luft und hatte bis zur Pause nur elf Ballkontakte. Für Kane hatte Halbfinal-Held Lucas Moura auf der Bank Platz nehmen müssen.

In dem von Taktik geprägten Spiel gab es folglich kaum Chancen. Ein Fernschuss von Liverpools Trent Alexander-Arnold rauschte knapp am langen Pfosten vorbei (17.), Andrew Robertson versuchte es mit Gewalt aus der Distanz (38.). Auf der Gegenseite fiel Ex-Bundesliga-Star Heung-Min Son zumindest mit Einzelaktionen auf.

Gänsehautstimmung in Madrid

Die jeweils 16.000 Fans beider Klubs sorgten dennoch für Gänsehautstimmung – kein Vergleich zum dürftigen Europa-League-Finale in Baku drei Tage zuvor. Schon vor dem Spiel hatten die Anhänger friedlich gefeiert, viele waren ohne Karte angereist. Auf dem Schwarzmarkt wurden bis zu 5000 Euro für ein Ticket geboten.

Geboten wurde den Fans aber auch in der zweiten Halbzeit zunächst nicht viel. Die Spurs strahlten nun zwar etwas mehr Gefahr aus, am Strafraum war aber meist Endstation.

Teammanager Mauricio Pochettino ging schließlich höheres Risiko und brachte Stürmer Moura für den defensiven Mittelfeldspieler Harry Winks (66.). Die nächste Chance hatte aber Liverpool, als der eingewechselte James Milner aus 14 Metern das Ziel um Zentimeter verpasste (69.). Moura (80.) vergab in der Schlussphase Tottenhams erste Möglichkeit der Partie, fünf Minuten später scheiterte Christian Eriksen mit einem Freistoß an Alisson Becker.

Fotos: Imago Images (Agencia EFE und Bildbyran)

46 Tore in 25 Spielen: Rekord für BVB-Supertalent Moukoko

Moukoko Rekord

Ausnahmetalent Youssoufa Moukoko hat in der B-Junioren-Bundesliga einen Torrekord aufgestellt. Denn der 14-Jährige, der gegen teils drei Jahre ältere Jugendliche spielt, erzielte am letzten Spieltag der Weststaffel für Borussia Dortmund beim 6:0 beim MSV Duisburg seine Saisontore 44 bis 46. Mit dieser Ausbeute übertraf er die seit 2013 bestehende Bestmarke des Schalkers Donis Avdijaj (44/heute vereinslos).

Und darum ist das alles so beeindruckend: Moukoko, der auch noch für die C-Jugend spielberechtigt wäre, kam in 25 Saisoneinsätzen auf einen Toreschnitt von 1,84. Was wiederum bedeutet: Er erzielte 42,8 Prozent der 93 Dortmunder Saisontore. Neun der 14 Vereine in der Weststaffel schossen insgesamt weniger Tore als Moukoko alleine.

Im Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg

Als westdeutscher Meister spielt der Titelverteidiger BVB im Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg (Sieger Nord/Nordost). Das zweite Halbfinale bestreiten der 1. FC Köln (Zweiter West) und Bayern München (Sieger Süd/Südwest).

Foto: Imago Images / MaBo Sports

Spannende Fußball-Anekdoten

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Jürgen Klopp: Locker zum Champions-League-Triumph

So locker gab sich Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, beim Abschlusstraining

Das letzte Finale, das Jürgen Klopp gewonnen hat, das DFB-Pokalfinale 2012, hat ihm nicht gutgetan. Noch auf der Haupttribüne des Berliner Olympiastadions fiel beim unterlegenen Gegner FC Bayern München die Entscheidung: Diese Demütigung beim 2:5 gegen Borussia Dortmund lassen wir uns nicht gefallen.

Zur Stabilisierung des Mittelfelds holten die Bayern Javier Martinez für die damalige Rekordsumme von 40 Mio. Euro. Den Sturm um Mario Gomez verstärkte Mario Mandzukic für 13 Mio. Euro. In der Rückrunde erlebte Klopp dann seinen Tiefschlag: Sein bester Spieler Mario Götze gab den unerwarteten Wechsel zu den Bayern bekannt.

Zwar erreichten die Dortmunder mit zwei Traum-Auftritten gegen Malaga und Real Madrid das Finale der Champions League 2013. Aber der Machtwechsel war vollzogen. Bayern siegte nicht nur in der Königsklasse. In jenem Jahr begann die Serie mit jetzt sieben Meisterschaften in Folge. Klopp gewann seitdem kein Finale mehr. Keines von sechs.

Klopp vertreibt Gespenster der Vergangenheit

Dass Klopp jedesmal, je öfter er mit einer Mannschaft ins Endspiel kam, an diesen angeblichen Fluch erinnert wird, macht die Sache nicht einfacher. Der Kräftevergleich zweier Klubs wird dadurch zwangsläufig zu einer ganz persönlichen Angelegenheit. Der deutsche Trainer muss beim FC Liverpool die Gespenster der Vergangenheit immer wieder vertreiben.

Ungerecht ist die Situation sowieso. Schnell vergessen die Heckenschützen bei ihrer Stichelei, dass der zweite Startrainer der Premier League gerne mit Klopp tauschen würde. Pep Guardiola zog weder bei Bayern München noch jetzt bei Manchester City in das Finale der Champions League ein. Klopp in diesen sechs Jahren aber dreimal.

Geld allein kann es also nicht sein, was einen sehr guten Trainer von einem guten unterscheidet; Guardiola durfte noch mehr für neue Spieler ausgeben. Mit Geld alleine wäre ohnehin nicht zu erklären, warum der FC Liverpool im Halbfinale gegen die Messi-Truppe aus Barcelona das 0:3 aus dem Hinspiel mit einem 4:0 im Rückspiel kontern konnte.

Klopp setzt beim FC Liverpool Kräfte frei

Klopp setzt Kräfte frei: An der Anfield Road wuchs der mitleidig geführte Traditionsverein mit gelegentlichem Zwischenhoch zu einer sportlichen Großmacht heran. Die dritte Teilnahme an einem Europapokal-Finale in Folge ist Ausweis nachhaltiger Qualität und eben nicht flüchtiger Motivationskunst.

Wer meinte, dass die zwei Torwartfehler im Finale des Vorjahres die Mannschaft brechen könnte, sieht sich nun getäuscht. Der FC Liverpool kehrt selbstbewusster und siegessicher ein Jahr nach der Pleite gegen Real Madrid zurück. Und 97 Punkte holt in der Premier League nur, wer zwölf Monate geistig und körperlich auf höchstem Niveau arbeitet.

Das alles darf man nicht vergessen, wenn Jürgen Klopp heute Abend im letzten Spiel der Saison erneut Rechenschaft über seine Trainerarbeit abzuliefern hat. FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur, das riecht nach einem Klopp-Triumph. Aber es wäre falsch, sein Wirken und seine Wirkung erneut allein an diesem einen Fußballspiel zu messen.

Die Bayern, und das mag Nebenlohn sein, hat er seit Jahren abgehängt.

Foto: Imago Images / Zuma Press