FC Bayern: Ist Leroy Sané wirklich 100 Mio. Euro wert?

Leroy Sane ist ein FC-Bayern-Kandidat

Seit drei Jahren spielt Leroy Sané bei Manchester City. Die Ablösesumme, die Schalke 04 damals kassiert hat, so um die 50 Mio. Euro, war er ganz sicher wert. Seine Flankenläufe und seine Tore trugen maßgeblich dazu bei, dass Trainer Pep Guardiola mit seiner Mannschaft zweimal Meister in der Premier League werden durfte.

Die Sané-Bilanz konkret: 25 Tore und 31 Torvorlagen in 89 Erstliga-Einsätzen – das kann sich gewiss sehen lassen. In der Bundesliga war die Leistung des mittlerweile 23-Jährigen nicht besser: elf Tore und sieben Torvorlagen in 47 Spielen. Trotzdem muss man die Frage stellen: Ist Leroy Sané an die 100 Mio. Euro wert?

Welche Ablösesumme Bayern München tatsächlich Manchester City geboten hat, ist nicht exakt überliefert. Man darf aber davon ausgehen, dass der kolportierte Betrag von 80 Mio. Euro stimmt. Bayern-Präsident Uli Hoeneß nannte die Forderung aus England “Wahnsinn”, als sein Angebot abgewiesen wurde.

Uli Hoeneß nennt die Preise “Wahnsinn”

Goldene Schuhe hat Leroy Sané schon. Foto: Imago Images / Schüler

80 Mio. Euro kann aber kein Wahnsinn für ihn sein, wenn er denselben Betrag auch für einen Verteidiger (Lucas Hernandez) auszugeben bereit ist. Der Wahnsinn muss folglich darüber liegen. Sogar über 100 Mio. Euro? Dass Hoeneß den Wunschtransfer als “eher unwahrscheinlich” bezeichnet, muss nichts heißen.

Gespieltes Desinteresse gehört zur Verhandlungsführung dazu. In Wirklichkeit träumt Hoeneß von einer Beschleunigung seiner Mannschaft, seit Arjen Robben und Franck Ribery von ihrem Abschied wissen. Kingsley Coman und Serge Gnabry hat er schon. Fehlen noch Timo Werner und Leroy Sané.

Hochgeschwindigkeit im Bayern-Sturm

Mit diesen beiden Hochgeschwindigkeitsspielern wäre Bayern in der Lage, den Flügelflitzern  des neuen Champions-League-Siegers FC Liverpool, Mo Salah und Sadio Mané, ein ebenso schnelles Duo entgegenzusetzen. Das kostet aber. Bayern kauft fast immer überteuert ein.

Salah kostete vor zwei Jahren 42 Mio. Euro, als er vom AS Rom zum FC Liverpool wechselte. Heute ist er 150 Mio. Euro wert. Der FC Bayern hätte ihn nur überzeugen müssen. Dann hätte Hoeneß ein dickes Geschäft machen können. Stattdessen kam James Rodriguez, ein Bankdrücker von Real Madrid, und darf jetzt wieder gehen.

Wenn also Hoeneß überzeugt ist, dass Sané die Mannschaft weiterbringt, darf er bei plus oder minus 10 oder 20 Mio. Euro nicht zucken. So sind die Zeiten heute. Aber wie bei James muss ein Gedanke ausgesprochen und ausdiskutiert werden: Es wird einen Grund haben, warum Sané bei Manchester City zuletzt so häufig auf der Bank saß.

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Nations League: In Portugal geht das Spielchen weiter

Harry Kane Nations League

Für ein halbes Dutzend Champions-League-Helden des FC Liverpool geht die Saison nach dem Höhepunkt in die Verlängerung. In Portugal sucht die Uefa ab Mittwoch den ersten Gewinner der Nations League.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin kann sich vermutlich glücklich schätzen, dass der FC Liverpool das Champions-League-Finale am Samstag gewonnen hat. So war LFC-Trainer Jürgen Klopp mindestens noch freudetrunken, als sich sechs seiner müden Profis zu den aus seiner Sicht sinnlosen Finalrundenspielen der Nations League nach Portugal aufmachten.

Abwehr-Gigant Virgil van Dijk und Giorginio Wijnaldum kämpfen mit den Niederlanden am Donnerstag in Guimaraes gegen England mit den Klubkollegen Trent Alexander-Arnold, Joe Gomez und Reds-Kapitän Jordan Henderson um den Finaleinzug bei der Premiere des Wettbewerbs. Hinzu kommen vier Spieler des unterlegenen Königsklassen-Finalisten Tottenham Hotspur. Darunter der gerade genesene Stürmerstar Harry Kane.

Schweiz darf bei der Nations League ran

Dank Nations League steht die Schweiz im Rampenlicht. Hier: Loris Benito.
Dank Nations League steht die Schweiz im Rampenlicht. Hier: Loris Benito. Foto: Globallmagens

Bereits 24 Stunden zuvor fordert Liverpools Top-Joker Xherdan Shaqiri mit der Schweiz in Porto Europameister Portugal heraus (jeweils 20.45 Uhr/DAZN). Macht unter dem Strich zehn Spieler aus dem Champions-League-Finale, die noch einmal Kräfte mobilisieren und Spannung aufbauen müssen – obwohl der sportliche Stellenwert überschaubar ist.

“Wenn wir nicht lernen, unsere Spieler besser zu pflegen, killen wir dieses wunderschöne Spiel”, hatte Klopp zuletzt gewettert. Der 51-Jährige ist einer der größten Kritiker des neu geschaffenen Wettbewerbs, der die Test-Länderspiele ersetzt.

Engländer strömen nach Portugal

Die englischen Fans strömen trotzdem in Scharen nach Portugal. 18.000 Anhänger der Three Lions erwartet man am Donnerstag in Guimaraes. Das Estadio Dom Afonso Henriques bietet allerdings nur Platz für 30.000 Menschen. Nationaltrainer Gareth Southgate richtete vorsichtshalber bereits einen Appell an die Fans: “Ihr seid ein Teil unserer Mannschaft. Macht das Land stolz.” Was er damit meint: Benehmt Euch!

Gegen die Niederländer, die Deutschland in der Gruppenphase hinter sich ließen, erwartet der frühere Nationalspieler “ein hitziges Duell”. Er sagt: “Beide Mannschaften ähneln sich sehr.” Für Oranje, das die Qualifikation für die EM 2016 und die WM 2018 verpasst hatte, ist die Endrunde nach Ansicht von Bondscoach Ronald Koeman eine “gute Gelegenheit zu zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.”

Nations League: Cristiano Ronaldo wieder titelhungrig

Cristiano Ronaldo ist in der Nations League dabei
Cristiano Ronaldo ist in der Nations League dabei. Foto: Imago Images / Globallmagens

Der stets titelhungrige fünfmalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo und Portugal setzen auf den Heimvorteil. “Wir sind nicht besser als die anderen, aber die anderen werden es schwer haben, vor unseren Fans besser zu sein als wir”, sagte Nationaltrainer Fernando Santos. Achten sollte man bei den Portugiesen neben Ronaldo (34) auf Joao Felix. Der 19 Jahre alte Wunderknabe von Benfica Lissabon wird von halb Europa gejagt. Er könnte seinen Marktwert bei dem Mini-Turnier weiter steigern.

Die Schweiz mag auf dem Papier der Underdog sein. Die Eidgenossen, die mit neun Bundesliga-Legionären nach Portugal reisen, sind allerdings angestachelt von der Aussicht, im Finale am Sonntag (20.45 Uhr/DAZN) ihren ersten Titel feiern zu können. “Es sollte nicht nur für mich, sondern für die ganze Schweiz das Ziel sein, das Turnier zu gewinnen”, erklärte Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

Lohnen würde sich der Sieg auch finanziell: Neben einem 71 cm großen Silberpokal erhält der Sieger insgesamt 10,5 Millionen Euro. Der unterlegene Finalist verdient immerhin neun Millionen Euro. Platz drei ist acht Millionen Euro wert, der Vierte streicht sieben Millionen Euro für den Trip nach Portugal ein.

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Final Four: Die neun wichtigsten Fragen zur Nations League

Training Portugal Nations League

Noch immer fremdeln Fußballfans mit dem neuen Uefa-Wettbewerb Nations League. Der Sport-Informationsdienst (SID) hat die wichtigsten Fragen zur Nations League zusammengetragen und beantwortet. Hier die Übersicht.

Die Nations League: Was steht an?

Die Fußball-Nationalmannschaften von Gastgeber Portugal, England, der Schweiz und den Niederlanden ermitteln den ersten Gewinner der Nations League.

Warum ist die deutsche Mannschaft nicht dabei?

Weil sie sich nicht qualifiziert hat. Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw blieb in ihrer Gruppe gegen die Niederlande und Weltmeister Frankreich in vier Spielen ohne Sieg und stieg in die Liga B ab. Dort geht es bei der zweiten Auflage der Nations League ab Herbst 2020 um die Rückkehr in die Top-Kategorie. Deutschland spielt stattdessen in der EM-Qualifikation in Weißrussland und gegen Estland.

Wann und wo wird beim Final Four gespielt?

Los geht es am Mittwoch in Porto mit dem Duell zwischen Europameister Portugal und der Schweiz, die als einziger Endrundenteilnehmer noch ohne jeden Titel ist. Im zweiten Halbfinale am Donnerstag in Guimaraes begegnen sich der WM-Vierte England und die Niederlande. Die Sieger beider Spiele treffen am Sonntag in Porto im Finale aufeinander (alle Spiele um 20.45 Uhr/MESZ), die unterlegenen Halbfinalisten spielen zuvor in Guimaraes um Platz drei (15.00 Uhr).

Welche Stars sind dabei?

Obwohl die Saison lang war, haben die vier Nationaltrainer für die vielfach kritisierten Spiele (Stichwort: Überbelastung) nahezu die bestmöglichen Spieler nominiert. Portugal wird vom fünfmaligen Weltfußballer Cristiano Ronaldo angeführt, bei den Engländern ist der gerade von einer Knöchelverletzung genesene WM-Torschützenkönig Harry Kane dabei. Bei den Niederländern mischt neben den Ajax-Stars Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt auch Star-Verteidiger Virgil van Dijk mit, der mit dem FC Liverpool erst am Samstag das Finale der Champions League gegen Tottenham Hotspur um Kane gewann. Achten sollte man bei den Portugiesen neben Ronaldo (34) auf Joao Felix: Der 19 Jahre alte Wunderknabe von Benfica Lissabon wird von halb Europa gejagt und könnte seinen Marktwert bei diesem Turnier weiter steigern.

Sind Bundesliga-Spieler im Einsatz?

Sogar eine ganze Menge. Portugals Nationaltrainer Fernando Santos hat Raphael Guerreiro von Borussia Dortmund nominiert, sein Klubkollege Jadon Sancho steht im Aufgebot der Engländer. Die Schweiz ist gar mit neun Bundesliga-Akteuren vertreten. Allein Borussia Mönchengladbach stellt fünf Spieler ab: Yann Sommer, Nico Elvedi, Michael Lang, Denis Zakaria und Josip Drmic. Hinzu kommen Yvon Mvogo (RB Leipzig), der Dortmunder Verteidiger Manuel Akanji, Renato Steffen vom VfL Wolfsburg sowie Steven Zuber, der in der Bundesliga-Rückrunde von der TSG Hoffenheim an den VfB Stuttgart ausgeliehen war.

Was gibt es zu gewinnen?

Neben einem 71 cm großen Silberpokal erhält der Sieger insgesamt 10,5 Millionen Euro. Der unterlegene Finalist verdient immerhin neun Millionen Euro. Platz drei ist acht Millionen Euro wert, der Vierte streicht sieben Millionen Euro für den Trip nach Portugal ein.

Qualifiziert sich der Sieger für die Europameisterschaft 2020?

Nein. Vier der 24 EM-Tickets werden in den Play-offs im März 2020 an die vier besten, noch nicht qualifizierten Teams aus jeder Nations-League-Division (A bis D) vergeben.

Was ist noch besonders?

Bei der anstehenden Endrunde wird der Video-Schiedsrichterassistent (VAR) zum ersten Mal bei einem Uefa-Wettbewerb für Nationalmannschaften eingesetzt. Kommt es zur Verlängerung, darf jede Mannschaft zudem einen vierten Spieler einwechseln.

Wo wird das Final Four der Nations League gezeigt?

Alle Spiele werden vom Streamingdienst DAZN übertragen. Das Finale ist zudem live im ZDF zu sehen.

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Neue Spielergeneration: Löw-Aussage ist schwach

Zwei EM-Qualifikationsspiele muss die deutsche Nationalmannschaft noch vor der Sommerpause absolvieren. Das eine am Samstag in Weißrussland, das andere nächste Woche Dienstag zu Hause gegen Estland. Beide Spiele sind Aufgaben, die Assistenztrainer Marcus Sorg ohne seinen Chef erledigt. Bundestrainer Joachim Löw, inzwischen aus der Klinik entlassen, muss sich noch von seinem Sportunfall erholen.

Umso erstaunlicher ist jedoch, dass Joachim Löw jetzt im Kicker seine Sorge zum Ausdruck gebracht hat, dass seine verjüngte Mannschaft nicht mehr die Dominanz vergangener Tage ausstrahlt. Er sagte wörtlich: “Unsere jetzige Mannschaft mit sehr vielen jungen Spielern ist noch nicht so gefestigt, diese Stabilität und dieses Selbstbewusstsein müssen sich erst noch entwickeln.” Diese Feststellung ist ein Armutszeugnis.

Löw räumt damit erstmals ein, dass er den Generationswechsel in seiner eigenen Nationalmannschaft versäumt hat. Bis zur verkorksten WM 2018 vertraute er einer alten Garde von Spielern und wurde bitte enttäuscht. Mit dem Abschied der drei Bayern-Stars Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng zog er zwar Konsequenzen, um Platz für neue Leitwölfe zu schaffen. Den Übergang aber hat er fahrlässig gestaltet.

Stabilität und Selbstbewusstsein müssten vorhanden sein

Bei einem gut organisierten Übergang wären die Nachrücker in seiner Hierarchie – von Leroy Sané und Joshua Kimmich über Leon Goretzka und Julian Brandt bis Kai Havertz und Serge Gnabry – längst in einer Rolle, die Stabilität und Selbstbewusstsein ausstrahlt. Bei Löw klingt das gerade so, als beginne er gerade mit einer Ausbildung dieser Nationalspieler. Da fragt man sich schon: Was hat er denn mit diesen Leuten die ganze Zeit gemacht?

Siegermentalität zeichnet sich dadurch aus, dass sie von Spielergeneration zu Spielergeneration weitergereicht wird, quasi zur DNA einer Mannschaft gehört. Siehe FC Bayern. Stimmt die Diagnose von Löw, gesteht er sich selbst das größte Versäumnis seiner 15-jährigen Amtszeit als Bundestrainer ein. Er und niemand anderes war für die Häutung der Nationalelf verantwortlich. Jetzt rächt es sich, wenn man nur von Turnier zu Turnier denkt.

Die DFB-Führung ist zurzeit mit sich selbst beschäftigt, um dem Verband neue Strukturen und ein neues Oberhaupt anzudienen. Darüber dürfen die Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball aber ihrerseits nicht vergessen, mögliche Antworten auf die Zukunftsfragen der Nationalelf rechtzeitig zu finden. Dazu gehört die Frage des künftigen Bundestrainers. Was passiert, wenn Löw der Generationswechsel nicht gelingt?

Hat der DFB schon mit Jürgen Klopp gesprochen?

In Liverpool bewies Jürgen Klopp jetzt zum dritten Mal, dass er in der Lage ist, erstens Spielstil und Personalbesetzung vortrefflich aufeinander abzustimmen, zweitens seine ganz persönliche Lernkurve zu beschreiten (lieber schlecht spielen und gewinnen als schön spielen und verlieren). Es wäre fatal, wenn ihm noch niemand vom DFB Signale gesendet hätte, dass ihn der Verband womöglich irgendwann braucht.

Der DFB zeigte nämlich nicht immer ein glückliches Händchen, wenn ein Trainer über Nacht gefunden werden musste. Wer wäre denn auf dem Markt? Vielleicht Ralf Rangnick. Natürlich Marcus Sorg. Womöglich irgendwann Julian Nagelsmann. Aber das sind Fragen, die man heute angehen muss und nicht, wenn die Not groß ist. Im Fall der Nationalspieler lernt man ja: Selbstverständlich ist eine Selbstverständlichkeit nicht immer.

Foto: Imago Images / Revierfoto

“Das ist unendlich wichtig, für den Klub, für die Fans”

Hundertausende Menschen säumten in Liverpool die Straßen, um Jürgen Klopp und den neuen Champions-League-Sieger am Sonntag zu feiern.

Bei der triumphalen Rückkehr nach Liverpool mobilisierten Jürgen Klopp und seine Champions-League-Helden noch einmal alle Kräfte. Auf einem roten Doppeldecker-Bus mit dem Slogan “Champions of Europe” präsentierte das Team um Superstar Mohamed Salah ihren euphorisierten Fans den so lange ersehnten Henkelpott – ihre Titelsause nach dem Sturm auf Europas Thron setzten Klopp und Co. bei der Siegesparade in ihrer Heimatstadt ungebremst fort. 

“Wir haben uns bereits versprochen, dass wir uns nächstes Jahr wieder in den Hintern treten werden.”

Jürgen Klopp zu einem Telefonat mit Pep Guardiola, dem Teammanager von Manchester City, kurz nach dem Sieg im Champions-League-Finale gegen Tottenham Hotspur

Rund 500.000 Fans tauchten Liverpool in die Vereinsfarben der Reds. Immer wieder stieg roter Rauch auf, als der Bus sich seinen Weg durch die Massen bahnte. Klopp reckte unter lautem Jubel den Pokal in die Höhe, zusammen mit den Fans sang die Mannschaft “You’ll never walk alone”. “Wir freuen uns jetzt alle auf Liverpool, weil man uns gesagt hat, dass da irgendwie eine Million Leute auf uns warten, also wirklich das absolute Highlight”, hatte Klopp, der seine Augen nach einer durchfeierten Nacht hinter einer verspiegelten Sonnenbrille versteckte, am Morgen bei RTL erklärt.

Die wilden Feierlichkeiten waren bereits im Metropolitano von Madrid mit dem Abpfiff nach dem 2:0 (1:0) gegen Tottenham Hotspur in Schwung gekommen. Um fünf Uhr in der Früh grölte Klopp gemeinsam mit Edelfan Campino von den Toten Hosen: “We’re sending greetings from Madrid, tonight we made it number six.”

Jürgen Klopp jetzt als Trainer auf einer Stufe mit Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes

Mit dem Coup in der spanischen Hauptstadt stieg Klopp in den Olymp deutscher Sieger-Trainer in der Champions League zu Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes auf. Hitzfeld hatte den Henkelpott mit Borussia Dortmund (1997) und Bayern München (2001) gewonnen, Heynckes holte ihn 2013 mit dem FC Bayern sowie als bisher einziger deutscher Trainer mit einer ausländischen Mannschaft: 1998 mit Real Madrid.

“Wir haben es lange genug versucht. Ich bin superglücklich und stolz, dass es heute geklappt hat”, schwärmte Klopp. Bei der TV-Station Viasat trällerte der 51-Jährige an der Seite von Jan Aage Fjörtoft in Anspielung auf den Hit von Salt’n’Pepa und den sechsten Gewinn des Henkelpokals durch den LFC: “Let’s talk about six, Baby!”

Klopp jubelte nach den Treffern von Mohamed Salah (2./Handelfmeter) und durch Divock Origi (87.) zunächst verhalten. Erst nach dem Schlusspfiff ging er aus sich heraus. Um 23.15 Uhr hatte der gebürtige Stuttgarter erstmals die Hände am Pott, stemmte ihn mit einem Schrei in den Nachthimmel und stimmte kurze Zeit später mit dem Anhang ohrenbetäubend die Vereinshymne “You’ll never walk alone” an.

Überschwängliches Lob von den eigenen Spielern

Die Spieler trugen ihren Lehrmeister auf Händen – und schmeichelten ihm auch mit Worten. “Er ist ein fantastischer Trainer und ein fantastischer Mensch”, sagte Star-Verteidiger Virgil van Dijk. Der ehemalige Schalker Joel Matip freute sich “riesig für Klopp. Die Leute haben viel über seine Finalserie geschrieben. Aber er hat sich diesen Erfolg mit uns hart erarbeitet.”

Spielerisch geht die “Erlösung der Reds” (“The Sun”) als eines der schwächeren Endspiele in die Cup-Historie ein. Am Ende gewannen die Reds nicht dank ihres gefürchteten Offensivfeuerwerks, sondern weil sie das reifere und abgeklärtere Team waren. “Meine Mannschaft hat schon bessere Finals gespielt, aber nicht gewonnen”, analysierte Klopp treffend und fügte an: “Ich weiß genau, wie Tottenham sich jetzt fühlt.”

Jürgen Klopp hat den Final-Fluch endlich besiegt

Sechs große Endspiele in Serie hatte Klopp zuvor verloren, drei davon in seinen knapp vier Jahren bei den Reds. In der Königsklasse war Liverpool im vergangenen Jahr an Real Madrid (1:3) gescheitert, zudem hatte es 2016 gegen den FC Sevilla im Finale der Europa League (1:3) sowie im englischen Ligapokal gegen Manchester City (1:1 n.V., 1:3 i.E.) jeweils schmerzhafte Pleiten gesetzt. Ein Verlierer-Image haftete Klopp an, am Samstagabend hat er es mit einem Schlag abgelegt.

Die Erleichterung darüber stand ihm ins Gesicht geschrieben. “Das ist unendlich wichtig, für den Klub, für die Fans”, sagte Klopp, stellte seine eigene Person aber hinten an. “Ich freue mich für die anderen, für meine Familie”, sagte er, denn die “hat immer mehr gelitten als ich. Ich bin froh, dass ich meiner Frau die Goldmedaille schenken kann.”

Foto: Imago Images / Action Plus