Milliardenspiel Super League: Alles halb so schlimm?

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin. Foto: Imago Images / Belga

Nächste Woche Freitag wird Aleksander Ceferin in Budapest nicht mehr mit seinen Plattitüden ausweichen können. Zur Mittagszeit muss der Präsident der europäischen Fußball-Union (Uefa) Farbe bekennen. Vor den Delegierten seiner 55 Europa-Verbände stellt der 51 Jahre alte Slowene seine Reformpläne zur Champions League vor. Die Erwartungen sind hoch.

Im Konferenzsaal eines Luxus-Hotels wird nichts weniger als eine Revolution erwartet: der Auftakt zu einem Fünf-Milliarden-Euro-Spiel. Uefa-Insider sind eifrig bemüht, den Kampfbegriff „Super League“ aus der Berichterstattung zu drängen. Das Thema ist emotional aufgeladen. Kommerz, Größenwahn, Kohle: Wie Etiketten hängen die Vorwürfe an dieser einen Wortschöpfung.

Dabei lohnt ein genauer Blick, was auf den europäischen Fußball ab 2024 zukommen soll. Grob skizziert: eine dreiklassige Champions League mit 128 Mannschaften statt wie bisher 32 in der Königsklasse und 48 in der Europa League. Natürlich geht’s um Geld. Bisher schüttet die Uefa 2,5 Milliarden Euro an die Klubs aus. Die Hoffnung: In fünf Jahren soll es das Doppelte sein.

Durch die packenden Europacup-Halbfinalspiele diese Woche bekam die Ceferin-Reform unerwartet Rückenwind. Jeder konnte sehen: Wenn Europas Top-Klubs aufeinander treffen, ist Feuer drin. Tempo, Technik, Temperament: Die meisten nationalen Ligen können so ein Spektakel nicht bieten. Die Serienmeister dominieren in aller Regel den Wettbewerb.

„Viel Spaß am Wochenende bei Augsburg gegen Hertha und Hannover gegen Freiburg!“, spottete der Sport-Informationsdienst (SID) über die Bundesliga. Es ist schon wahr: Wenn Bayern München am Samstag bei RB Leipzig gewinnt, steht die siebte Meisterschaft in Folge vorzeitig fest. Das Duell mit Borussia Dortmund hätte nur übergangsweise die Langeweile vertrieben.

Was bringt die Super League? Rainer Koch, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes, wird mit Generalsekretär Friedrich Curtius sehr genau in Budapest hinhören, wie weit Ceferin mit seinen Vorschlägen geht. Sein Auftrag aus der eigenen Liga ist überliefert: Hände weg von Europacup-Spieltagen an Wochenenden – die sind der Bundesliga heilig.

Dass Bayern München und Borussia Dortmund hinter vorgehaltener Hand auch da zu diversen Zugeständnissen bereit sind, offenbart die Zerrissenheit bei diesem Thema. Ihr internationaler Vertreter Andrea Agnelli, ECA-Chef und gleichzeitig Präsident von Juventus Turin, gehen die Reformpläne nicht weit genug. Die achte italienische Meisterschaft in Folge ödet ihn selbst an.

Seine Idee von einer Super League füttert Urängste aller Fußballromantiker. Agnelli will Radikales: nur die besten Teams aus Europa und das ganze Geld allein für die Elite. Darum geschieht Ceferin zuweilen Unrecht: Sein Vorschlag ist erstens ein Kompromiss zwischen Arm und Reich und fördert zweitens die europäische Einheit – sogar Schmuddelkinder partizipieren.

Ein Ceferin-Modell sieht vor: In der League 1 werden 32 Teams in vier Achtergruppen gestopft, in League 2 weitere 32 in acht Vierergruppen, der Rest von 64 Teams verteilt sich in vier Regionalstrukturen. Genau hier besteht die Gefahr. In League 1 sollen nur die besten Klubs spielen. Als Qualifikation gelten die vier Jahre von 2020 bis 2024.

Es wird ein Wettrüsten einsetzen, um an die Fleischtöpfe zu gelangen. Denn wer drin ist, bleibt länger: Das Auf- und Abbstiegsszenario erlaubt nur wenigen Neulingen den Zutritt in den Klub der Besten. Das Investment in Spieler soll sich ja lohnen. Das Blöde: Dafür müssen Top-Klubs 14 statt 6 Gruppenspiele bestreiten. Der Terminkalender gibt die Spieltage kaum her.

Auch wenn ein Spieltag vom ersten ins zweite Halbjahr verlegt wird: Die Zahl der Europacup-Termine verdoppelt sich. Die Fußballprofis werden über ihre Belastungsgrenze gezwungen. Irgendwer müsste zurückstecken: entweder die nationalen Ligen oder die Nationalmannschaften. Ceferin weiß nur zu gut: In jedem seiner Worte steckt nächste Woche Freitag Brisanz.

Seine Idee wird er in Englisch vortragen, jeder Satz ins Französische und Deutsche übersetzt. Bis zum Uefa-Kongress am 3. März in Amsterdam wird sein Reformvorschlag, auch das weiß er, viel Widerspruch und einige Wendungen erfahren. Nur zweierlei muss jedem bewusst sein: Aufzuhalten ist die Reform nicht – und der Agnelli-Vorschlag wäre viel, viel schmerzhafter.

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