Lehrstunde durch den Aufsteiger: Bayern blamiert sich in Bochum

Den Sturm auf Europas Thron ausgerufen, von Bochum vorgeführt: Serienmeister Bayern München hat vier Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League eine fast schon historische Bundesliga-Schmach erlitten. Der Tabellenführer unterlag am Ende einer turbulenten Woche bei Aufsteiger VfL Bochum mit 2:4 (1:4), Verfolger Borussia Dortmund kann am Sonntag auf sechs Punkte heranrücken.

Weltfußballer Robert Lewandowski (9.) brachte die Star-Auswahl von Julian Nagelsmann, die am Mittwoch in der Königsklasse bei Red Bull Salzburg gefordert ist, zwar in Führung. Doch unerschrockene Bochumer düpierten den Favoriten durch Tore von Christopher Antwi-Adjei (14.), Jürgen Locadia (38./Handelfmeter), Cristian Gamboa (40.) und Gerrit Holtmann (44.) vor der Pause. Lewandowski (75.) machte es wieder spannend.

Der VfL, der einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machte, brachte den Bayern als erster Aufsteiger seit dem 1. FC Kaiserslautern im August 2010 wieder eine Bundesliga-Pleite bei. Vier Gegentore in der ersten Spielhälfte hatten die Münchner zuletzt 1975 bei Eintracht Frankfurt (Endstand 0:6) kassiert.

Das 0:7 im Hinspiel am 18. September wiederum war die höchste Bundesliga-Niederlage für den VfL – für Reis war es ein Schlüsselerlebnis. „Bayern hat uns aufgezeigt, was fehlt“, sagte der VfL-Trainer.

Beide Teams traten ohne ihre Stammtorhüter an. Bochums Manuel Riemann hat sich mit Corona infiziert, Nationalkeeper Manuel Neuer fehlt dem FC Bayern nach einer Knie-OP voraussichtlich mehrere Wochen.

Bayern-Coach Nagelsmann vertraute im Tor auf Sven Ulreich, vor ihm spielte Niklas Süle im Abwehrzentrum. Der Nationalverteidiger wechselt im Sommer ablösefrei zum BVB, wie am Montag bekannt wurde. Das sei aber „kein Grund, ihn auf die Tribüne zu setzen“, sagte Nagelsmann: „Ich vertraue ihm voll.“

Die 8500 Zuschauer mussten vor Anpfiff auf die Gänsehaut-Hymne „Bochum“ von Herbert Grönemeyer verzichten – ein Stromausfall im gesamten Stadtteil Grumme legte die Technik und auch das Flutlicht zunächst lahm.

Vor Energie strotzte dafür der VfL, der Aufsteiger begann forsch gegen den im 4-1-4-1 offensiv ausgerichteten Serienmeister. Bayern antwortete typisch: erste Chance, erstes Tor. Lewandowski schaltete nach einer Flanke von Kingsley Coman am schnellsten und erzielte sein 25. Saisontor.

Wer nun an einen „normalen“ Spielverlauf glaubte, sah sich getäuscht: In der 14. Minute überrumpelte der VfL den hohen Favoriten bei einem Konter, Holtmann ließ Dayot Upamecano stehen und spielte ins Zentrum, wo Antwi-Adjei dem trägen Süle das Nachsehen gab. Die Bayern rangen um Dominanz, gegen aggressive und bewegliche Bochumer fehlte es aber an Frische und Esprit.

Upamecano sprang der Ball im eigenen Strafraum an die Hand, Bochums Winter-Zugang Locadia überwand Ulreich vom Punkt mit etwas Glück. Bochum war nun im Rausch. Locadia zog von rechts nach innen und traf in den Winkel, Holtmann erzielte von der linken Seite das nächste Traumtor.

Angesichts des Pausenstands wurden Erinnerungen wach an das Bochumer Jahrhundertspiel 1976. Damals führte der VfL gegen den FC Bayern zur Pause gar 4:0 – und verlor dramatisch 5:6.

Nagelsmann reagierte, brachte in Corentin Tolisso einen weiteren Sechser und nahm den überforderten Upamecano vom Platz. Der Druck wuchs, ein Lewandowski-Freistoß (86.) knallte an die Latte.

Foto: AFP/SID und Zulieferer +++ Mehr auf Fever Pit’ch

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