Niko Kovac hat die Schale und Bayern den Salat

Niko Kovac küsst die Meisterschale. Foto: Imago Images / Peter Schatz

Noch eine Woche wird Niko Kovac im Ungewissen bleiben, wie es mit ihm beim FC Bayern weitergeht. Er darf sich jetzt Meistertrainer nennen und ist der einzige von allen 18 Bundesliga-Trainern, der das darf.

Aber das heißt nichts: Die Bayern sind sich noch unschlüssig, wie sie den siebten Meistertitel in Folge bewerten sollen. Bis zum Schluss konnte Borussia Dortmund das Titelrennen offenhalten.

Kommenden Samstag soll im DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig der nächste Titel der Saison folgen. Doch offensichtlich setzt den Bayern-Bosse das frühe Aus in der Champions League und die selten erfrischende Spielweise zu.

Darin liegt das Unfaire manchmal. Einerseits begründen die Bayern ihren Erfolg auch darin, dass sie immer alles infrage stellen, was nicht zu 100 Prozent rund läuft, und permanent nachbessern.

Andererseits hat Niko Kovac abgeliefert, was man von ihm erwartet hat, und eine der besten Rückrunden der Vereinsgeschichte dirigiert. Die Bayern stecken im Umbruch – er hat das zweifelsohne sehr gut moderiert.

Niko Kovac hat die Schale und Bayern den Salat: Die Fankurve feierte den Namen des Trainers. Niemand kann ihm handwerkliche Mängel beim Umgang mit den satten Spielern unterstellen.

Die Mannschaft, die er am letzten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt aufs Feld geschickt hatte, zeigte schon mit Kingsley Coman und Serge Gnabry das neue Gesicht. Franck Ribery und Arjen Robben wurden nur eingewechselt.

Nun kommen Spieler hinzu, die in Summe einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Ist Kovac der richtige Trainer, diesen Umbruch zu leiten? Diese Frage überdeckt die Bayern-Freude über die Meisterschaft enorm.

Niko Kovac, Gratulation zu Ihrer ersten deutschen Meisterschaft als Trainer. Wie haben Sie das Finale mit dem 5:1 gegen Frankfurt erlebt?

Niko Kovac: Danke an unsere Mannschaft und die Fans, wir haben Großes geleistet. Wir waren im Herbst neun Punkte hinten – ich weiß nicht, ob es so eine Aufholjagd schon mal gegeben hat. Ich bin total happy, total ausgelaugt. Jetzt werden wir uns darauf vorbereiten, dass in der nächsten Woche vielleicht noch was nachgeht.

Sie sind erst der zweite Münchner, der nach Franz Beckenbauer die Schale als Spieler und Trainer gewann. Was bedeutet Ihnen das?

Ich habe nach dem Spiel gehört, dass das vor mir nur der große Kaiser geschafft hat, das ist schön, aber nur eine Nebensächlichkeit. Für uns in München zählt immer nur der Titel, das haben wir geschafft. Das Schöne ist, dass es die SGE auch in die Europa League geschafft hat. Das ist für mich ein toller Tag.

Die Fans haben Sie gefeiert. Was löst das in Ihnen aus?

Wenn man solch eine Geste zu spüren bekommt – und das habe ich auch letztes Jahr in Berlin von den Eintracht-Fans bekommen -, ist das schön. Dafür macht man den Job gerne. Man sieht, dass die Fans ein gutes Gespür haben.

Die Zuneigung schien Sie sehr berührt zu haben.

Es war ein Auf und Ab in dieser Saison, das muss man ganz klar sagen. Wir sind alles Menschen, hier sitzt kein Roboter. Ich schäme mich auch nicht, Gefühle zu zeigen, das macht uns menschlich.

Ausgelassene Freude zeigten Sie nicht. Freuen Sie sich über den Titel?

Doch, klar. Vielleicht würde es mehr auffallen, wenn ich mit einer roten Nase rumlaufen würde oder mit einem Karnevalshut. Aber es ist im Moment sehr viel hier drin (zeigt auf sein Herz). Dieses Jahr war sehr anstrengend, das können Sie mir glauben. Man sieht es wahrscheinlich auch an meinen Haaren und meinem Bart. Aber Ende gut, alles gut.

Wurde Ihnen denn bereits gesagt, dass es für Sie als Trainer in München weitergeht?

Ich rede mit meinen Chefs, ich hab ja drei. Wenn man redet, hört man schon raus, in welche Richtung es geht. Ich glaube schon, dass ich das richtig interpretiert habe. Daher gehe ich davon aus, dass ich meinen Vertrag, der noch zwei Jahre läuft, erfüllen werde.

Also gab es eine positive Rückmeldung, aber es gibt keine hundertprozentige Sicherheit?

Ja, aber wir sind deutscher Meister. Und ich muss es nochmal apostrophieren, weil es sonst untergeht: Sie haben ja gesehen, man kann etwas in die Welt setzen und alle beißen drauf an. Wie wenn Sie die Angel ausfahren und die Fische beißen an. Es geht nicht um mich, es geht darum, dem anderen den nötigen Respekt entgegenzusetzen. Wenn man das macht, geht es uns allen besser. Darauf setze ich.

Wie gehen Sie jetzt ins Pokalfinale?

Wir fahren nach Berlin und wollen dort den Pokal holen – aber das will Leipzig auch. Wir haben einen richtig starken Gegner und letztes Jahr gesehen, dass man niemanden unterschätzen darf, egal wie er heißt und wo er herkommt. Wir möchten das Double, aber es wird ein harter Gang.