Friedhelm Funkel: Abrechnung bei Fortuna Düsseldorf

Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel. Foto: Imago Images / Defodi

Man kann nicht mit letzter Bestimmtheit sagen, ob Friedhelm Funkel jetzt die vollständige Wahrheit über seine verpatzten Vertragsgespräche im Januar erzählt oder die emotionale Rückschau Ungenauigkeiten provoziert. Jedenfalls: Man kann den Trainer von Fortuna Düsseldorf gut verstehen, dass er jene versuchte Ausbootung als Respektlosigkeit empfindet.

Mit einem Mini-Etat hatte Funkel die Mannschaft zurück in die Bundesliga geführt und den verkorksten Saisonstart kraft seiner Erfahrung und Ruhe überwunden. Den Bayern luchste er in deren Stadion einen Punkt ab, der damalige Tabellenführer Borussia Dortmund ging in Düsseldorf sogar komplett baden. Man sollte Funkel niemals unterschätzen.

Heute wirft er seinem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer und Teamchef Robert Palikuca ein falsches Spiel vor. Das Wort “Lügen” fällt in seiner Abrechnung nicht direkt. Es hängt aber in der Luft, wenn er auf Palikucas Amtshandlung beim 1. Nürnberg verweist: Er will nicht glauben, dass die Verbindung zu Trainer Damir Canadi erst jetzt erfolgt sein soll.

Damals im Januar hätten sie ihm Stein und Bein geschworen, dass die Gerüchte um Canadi nicht stimmten: Niemand hatte die Absicht… Funkel, seit Jahrzehnten im Geschäft, zählt eins und eins zusammen: Man wollte ihn loswerden und durch Canadi ersetzen. Inzwischen ist die Sache geklärt: Funkel durfte bleiben – und seine beiden Gegenspieler sind weg.

Nicht zuletzt sein Fall offenbart die Verlogenheit einer ganzen Branche: Warum ist es nicht möglich, dass jeder Klubverantwortliche, der ja in seiner Region Maßstäbe setzt, Anstand und Größe aufbringt, wenn sich die Gewissheit durchsetzt, dass die Wege sich trennen sollten? Max Eberl hat es in Mönchengladbach getan: Dieter Hecking wusste frühzeitig Bescheid.

Niko Kovac dagegen hängt beim FC Bayern ebenso in der Luft wie vor ihm Hannes Wolf beim Hamburger SV. An Entschuldigungen mangelt es nicht. Die Phase der Meisterschaft, die Konzentration vor wichtigen Spielen, die Umstände im Allgemeinen: Es ist nicht lange, dass die Bayern selbst dem Bundestrainer Löw eine Hinhalte-Taktik in Personalfragen vorwarfen.

“Viktoria Köln entlässt den Trainer als Tabellenerster am vorletzten Spieltag, Markus Anfang muss in Köln als Meister gehen und Niko Kovac steht beim FC Bayern in Frage, obwohl er vielleicht das Double holt. Unabhängig von meiner Person zeigen die drei Beispiele, dass man uns Trainer nicht braucht. Wir können zu Hause bleiben”, klagte Hecking am Wochenende.

Bruno Labbadia, der beim VfL Wolfsburg den Stecker zog, bevor es Manager Jörg Schmadtke tun konnte, brachte es auf den Punkt: “Das Umfeld wird immer schwieriger, weil zu viel Geld im Umlauf ist. Es wird viel Politik betrieben.” In der Sache ist er natürlich als Trainer befangen. Unberechtigt ist seine Analyse nicht. Der Sittenverfall ist unübersehbar.

Wenn alle Seiten beteuern, wie wichtig ihnen die Trainerposition ist, kommt die Liga eigentlich nicht an einen Ehrenkodex vorbei. Es geht weniger darum, gut bezahlte Führungskräfte zu schützen. Aber die Strahlkraft einer Liga hängt auch davon ab, wie sie mit Aushängeschildern, und das sind Trainer, umgeht. Friedhelm Funkel war bei seiner Wortwahl noch gnädig.