Wer hat mehr Fußballfans in Deutschland?

Das überraschende Resultat zweier Fan-Umfragen hat bei Twitter ganz schön Wind gemacht. In beiden Erhebungen belegte RB Leipzig den dritten Platz hinter Bayern München und Borussia Dortmund. Ausgerechnet der Verein also, der in Auswärtsstadien so gerne angefeindet wird. Nielsen Sports ermittelte, dass RB Leipzig zwei Millionen Fans in Deutschland hat, YouGov, dass der Fan-Anteil 3,2 Prozent beträgt. Für Fans von Traditionsvereinen ist das Ergebnis schwer erträglich.

Hassan Talib Haji, Schalke-Legende auf Twitter, stellte die Glaubwürdigkeit der Fan-Umfragen grundsätzlich infrage. Unter dem Beifall der Community verwies er auf den Menschenverstand, der harten Bewertungskriterien eine höhere Bedeutung beimesse: Anzahl der Fanclubs, Stadionauslastung, Zahl der verkauften Tickets bei Auswärtsspielen, die Follower-Zahl in den Sozialen Netzwerken. Seine Argumentation war durchaus schlüssig und keinesfalls von Vorbehalten gegenüber RB Leipzig als Konstrukt geprägt.

Fans von RB Leipzig
Fans von RB Leipzig. Foto: Imago Images

Am Ende verknappte sich die Diskussion auf zwei Kernfragen. Die erste: Profitiert RB Leipzig womöglich vom Wir-Gefühl im Osten, dass eine Mannschaft aus den nicht mehr ganz so neuen Bundesländern die erste Liga aufrollt? (Man erinnere sich an ein ähnliches Phänomen, als Hansa Rostock in der Bundesliga spielte: Die Ostalgie überwand sogar Rivalitäten zwischen den ehemaligen DDR-Oberligisten.) Die zweite Kernfrage folgt daraus: Wann ist ein Fan ein Fan und nicht nur Sympathisant?

Die zweite Frage ist tiefgreifender, als man zunächst meint, und beschäftigt die Bundesliga schon seit ein paar Jährchen. Ist nur derjenige ein Fan, der in der Kurve oder auf der Tribüne Liedgut anstimmt, Mühsal und Zeit für atemberaubende Choreografien opfert und das Familienleben zugunsten von Auswärtsspielen vernachlässigt? Oder auch derjenige, der zu Hause am Fernsehgerät mitfiebert oder ein hübsches Sümmchen für den Sitzplatz auf der Haupttribüne oder auf den Geraden im Stadion ausgibt?

Existenzielle Fragen der Bundesliga

Diese Fragen sind existenziell für die Bundesliga. Denn schnell kommt man zu dem Punkt, dass es “die Fans” als homogene Gruppe gar nicht gibt und die Diskussion, was als störend im Profifußball empfunden wird, zu oft von der Lautstärke einiger Fangruppierungen abhängt und nicht von einer Mehrheit im Stadion. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) meldete den zweithöchsten Ticket-Absatz der Bundesliga-Geschichte. So schlecht kann demnach nicht sein, was in der Bundesliga passiert. Auch nicht in Leipzig.

Vielleicht liegt das Missverständnis darin, dass die Bundesliga nicht als Einheit in der Vielfalt verstanden wird. Es gibt keinen logisch belegbaren Grund, warum jeder Verein Spuren von Turnvater Jahn nachweisen muss. Es sollte doch eher darum gehen, ansehnlichen Fußball zu bieten, einen, der einerseits die Nachwuchsarbeit zu schätzen weiß und andererseits dem internationalen Vergleich standhält. RB Leipzig scheint da keine miese Arbeit zu machen. Schalke hofft jetzt auf den zweiten RB-Mann aus Leipzig.

Wer hat die meisten Fans in der Bundesliga?

Bleibt die Frage: Welche Vereine haben die meisten Fans? Ein verbindliches Ergebnis ist aus den Umfragen, wenn man die Fragestellung etwas genauer betrachtet, nur bedingt zu erwarten. Frei nach Churchill: „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe“, habe ich drüben im Fever Pit’ch Newsroom meine eigene Fan-Umfrage gestartet und ermittle gemäß dem Highlander-Prinzip: Was ist dein Lieblingsklub? Das Ergebnis, ganz sicher, wird unangreifbar sein. Zumindest für den Moment.

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Der FC Bayern darf Ousmane Dembélé nicht holen!

Zugegeben, Ousmane Dembélé ist ein begnadeter Fußballer. Der Franzose wäre beim FC Bayern eine Verstärkung. Nur das sollte zählen, wenn ein Verein wie der deutsche Rekordmeister seinen Kader verjüngt und Franck Ribery gleichwertig ersetzen will. Trotzdem wäre der Dembélé-Transfer vom FC Barcelona zum FC Bayern aus fünf Gründen falsch.

Erstens: Nachweislich hat Ousmane Dembélé einen schlechten Charakter. Ein Spieler, der seinen Verein erpresst, wie es Dembélé 2017 bei Borussia Dortmund tat, um seine Freigabe zu erzwingen, ist nichts anderes als ein Söldner.

Zweitens: In den zwei Jahren beim FC Barcelona blieb Ousmane Dembélé den Nachweis schuldig, dass er die Ablöse von 125 Mio. Euro plus Zuschlag tatsächlich wert ist. Es lag nicht allein an seiner schweren Verletzung. Auch danach fiel seine Disziplinlosigkeit auf.

Drittens: Die Disziplinlosigkeit kannte man aus BVB-Zeiten. Eine unsportliche Lebensführung aber darf man einem hochbezahlten Fußballprofi, auch wenn er erst 22 ist, nicht durchgehen lassen. Schludrigkeit drückt nur seine Respektlosigkeit aus.

Viertens: Ginge Bayern mit einem rekordverdächtigen Transfer trotzdem über alle Bedenken hinweg, wäre das falsche Signal gesetzt: Man würde Ousmane Dembélé und dessen Berater noch dafür belohnen, dass er seine versprochene Leistung beim FC Barcelona nicht gezeigt hat.

Fünftens: Bayern würde sich selbst untreu werden und lächerlich machen. Noch vor zwei Jahren wetterten die Bayern-Bosse, Dembélé wäre bei ihnen richtig bestraft worden. “Mit 100.000 Euro Strafe pro Tag”, stichelte Präsident Uli Hoeneß gegen Borussia Dortmund.

Ousmane Dembélé im Trikot des FC Bayern. Foto: Imago Images / VI

Die Bundesliga braucht ganz sicher keinen Profi, der Gier zur Maxime erhebt, Klubbosse zu Narren macht und sein Talent verschleudert. Der Preis, den Bayern München mit seiner Verpflichtung zahlte, wäre ganz einfach zu hoch.

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Bayern-Transfers: Uli Hoeneß bloß nicht unterschätzen

Es fällt in diesen Tagen nicht besonders schwer, Uli Hoeneß Doppelzüngigkeit vorzuwerfen. Noch Ende Februar hatte er im Sport1-Doppelpass gesagt: „Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles sicher haben für die neue Saison.” Jetzt widert ihn die Diskussion um Verstärkungen an: “Ich muss ehrlich sagen, langsam geht mir das auf die Nerven, dass man sich nur noch über Käufe definiert.” Die Geister, die ich rief…

Ganz gerecht ist der Vorwurf trotzdem nicht. Denn anders als bei den meisten anderen Vereinen hat Bayern München längst einschneidende Personalmaßnahmen getroffen. Die Stammspieler Arjen Robben, Franck Ribery und zuletzt Weltmeister Mats Hummels: inzwischen weg. Für 120 Mio. Euro geholt: die Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard sowie den einstigen HSV-Wunschkandidaten Fiete Arp und davor im Winter Alphonso Davies aus Kanada.

Ist das viel? Nicht, wenn man aus der Hoeneß-Ankündigung im Februar Spektakuläres ableiten wollte. Und doch, wenn man die Dinge kaufmännisch betrachtet. 120 Millionen Euro bedeuten ein enormes Investment. Das Risiko ist beträchtlich. Niemand kann Bayern München garantieren, dass Hernandez für seine Ablöse die Abwehrsicherheit bringt wie Virgil Van Dijk beim FC Liverpool. Der Franzose wird immer noch am Knie therapiert.

Die Unsicherheit im Bayern-Lager rührt daher, dass Borussia Dortmund so mutig in neue Spieler klotzt wie seit 25 Jahren nicht mehr. Damals gewann der BVB zwei Meisterschaften in Folge und zur Krönung im dritten Jahr die Champions League. Nur von dieser Seite ist die Genervtheit von Präsident Uli Hoeneß zu begreifen: Zum ersten Mal seit langem bestimmt nicht er das Geschehen auf dem Transfermarkt, sondern der Verfolger. Er muss sich gehetzt fühlen.

Meister! Uli Hoeneß beim Basketball
Meister! Uli Hoeneß beim Basketball. Neben ihm: sein Bruder Dieter. Alle Fotos: Imago Images / Sven Simon

Die Öffentlichkeit verlangt endlich Klarheit, was mit dem erhofften Transfer von Leroy Sané ist. Oder mit dem erwarteten Transfer von Timo Werner. Beide Nationalspieler, Männer der Zukunft, würden dem Bayern-Angriff eine Wucht geben, wie es Borussia Dortmund eben mit Julian Brandt, Thorgan Hazard und Nico Schulz geschafft hat. An Geld werden die Bayern-Zugänge nicht scheitern.

Darin liegt die Chance des BVB: Wer notgedrungen Entscheidungen trifft, macht nicht selten Fehler. Dortmund hat vorgesorgt. Die Bayern aber müssen im Sturm noch was tun. Es sollte niemanden verwundern, wenn Bayern München in den nächsten Tagen oder Wochen Personalentscheidungen veröffentlicht, um die drängelnde Öffentlichkeit eines Besseren zu belehren. Erst dann sollte man sein endgültiges Urteil über die neuen Bayern fällen. Unterschätzt bloß Uli Hoeneß nicht.

Alexander Nübel bei der U21-EM: Kann ihn Schalke überhaupt noch halten?

Wer den Hype um Alexander Nübel nach nur 18 Bundesliga-Spielen für eine typische Übertreibung nach Schalker Art hielt, muss seine Sichtweise überdenken. Bei der U21-Europameisterschaft bekommt das Millionenpublikum vor dem TV-Gerät eine Ahnung davon, warum der Torwart angeblich beim FC Bayern München im Gespräch ist.

Mit zwei Glanzparaden hat Nübel nicht nur das entscheidende 1:1 im letzten Gruppenspiel gegen Österreich gesichert, sondern als Nummer 1 die notwendige Sicherheit ausgestrahlt, um das EM-Halbfinale in Italien und die Olympia-Qualifikation für Tokio 2020 zu erreichen. Sein Auftreten erinnert an jenen, den er irgendwann ersetzen soll: an Manuel Neuer.

Der 22-Jährige hatte die Gerüchte um den FC Bayern immer mit dem Hinweis abgetan, dass er zunächst den Klassenerhalt mit Schalke 04 schaffen und dann eine erfolgreiche Junioren-EM spielen will. Nach einem Dementi klang das nie. Nun bekommt die halbe Welt mit, wozu Deutschlands bester Nachwuchs-Torwart imstande ist. Das macht ihn begehrter.

Alexander Nübels Vertrag läuft 2020 aus

Sein Arbeitsvertrag läuft 2020 aus. Wenn Schalke also Kasse mit ihm machen will, dann jetzt. Seinen Marktwert schätzt Transfermarkt.de auf aktuell 12 Mio. Euro. Die Alternative ist: Schalke 04 stattet die Vertragsverlängerung mit einem Millionengehalt aus. Doch die Frage sei gestattet: Warum sollte Alexander Nübel auf Schalke bleiben?

Ein Verein, der seine Zukunft in der Verpflichtung von Benito Raman (Fortuna Düsseldorf) zu erkennen glaubt, hat keine große Zukunft. Nichts deutet darauf hin, dass die Königsblauen die Mannschaft zu einem Aspiranten auf die Champions-League-Qualifikation aufpeppen. Mittelfeld bis Europa League: So lautet die vorläufige Bundesliga-Diagnose bis 2019/20.

Alexander Nübel souverän im Strafraum
Alexander Nübel souverän im Strafraum. Foto: Imago Images / Huebner

Welcher Spieler mit Ambitionen tut sich die Achterbahnfahrt an? Nur einer, der entweder heimatverbunden ist – oder eine Warteschleife vor dem ganz weiten Karriereschritt einlegen will. Alexander Nübels Berateragentur Siebert & Backs ist bekannt dafür, dass nicht allein das große Geld die Entscheidungen lenkt, sondern auch die Perspektive des Spielers.

“Wir hinterfragen jede Offerte in Punkto Substanz, auch wenn sie finanziell höchst lukrativ erscheint. Warum wir so handeln? Durch die Tatsache, dass unsere Klienten nicht ausschließlich den finanziell attraktivsten Jobs nachgehen, schaffen sie höhere Chancen auch langfristig erfolgreich im Profigeschäft Fuß zu fassen.”

Spielerberater-Agentur Siebert & Backs

Angebracht bleibt die Frage, ob Schalke den Jungen überhaupt halten kann. Die Chance besteht darin, ihm einen neuen Vertrag mit einer Ausstiegsklausel zu geben, um zu einem späteren Zeitpunkt Manuel Neuer beim FC Bayern abzulösen. Dessen Vertrag endet 2021; dann ist er 35 Jahre alt. Das wäre eine für alle Seiten gute Option.

So oder so, Schalke muss sich an den Gedanken gewöhnen: Alexander Nübel wird nicht zu halten sein. Jede Glanzparade bei der Europameisterschaft verlängert die Liste an Interessenten. Schalkes Sportdirektor Jochen Schneider muss endlich mit ein paar Top-Transfers gute Argumente fürs Bleiben liefern.  

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Nur neun Deutsche unter den 100 teuersten Fußballern der Welt

100 teuersten Fußballspieler

Das 6:1 der deutschen Junioren-Nationalmannschaft gegen Serbien war mitreißend und ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Titelverteidigung bei der U21-Europameisterschaft. Um bei dieser Gelegenheit das größte Kompliment eines Berliners auszusprechen: Da kann man nicht meckern. Trotzdem sei vor zu viel Euphorie gewarnt.

In der neuen CIES-Studie wurde der Marktwert der 100 teuersten Fußballspieler der Welt veröffentlicht. Auf den ersten Blick möchte man sagen: Immerhin neun Deutsche sind darunter. Beim näheren Hinsehen stellt man fest: Keiner aus dem U21-Kader. Und plötzlich fragt man sich doch: Warum eigentlich nur neun Deutsche?

Leroy Sané die große Ausnahme

Einerseits könnte man jetzt anführen, dass Nationalspieler wie Leroy Sané so gut sind, dass sie bei Joachim Löw spielen, obwohl sie in der U21 ran dürften. Andererseits: Nicht einmal zehn Prozent stellt der größte Fußballverband der Welt in dieser Top 100. Da ist es kein Trost, dass andere Spieler aus anderen Ländern ihre Karriere in der Bundesliga begannen.

Ein Marktwert drückt auch die Begehrlichkeit im Ausland aus, wo halt mehr Geld in Spieler investiert wird, als es in der Bundesliga der Fall ist. Natürlich spielen Superstars wie Toni Kroos bei Weltvereinen wie Real Madrid. Aber das Alter drückt die Ablöse, wie man sogar bei Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sehen kann: Der Preisverfall schreitet voran.

Vorne liegt, wen wundert’s, der Franzose Kylian Mbappé, 20 Jahre alt, Weltmeister und Ausnahmestürmer. Sané liegt neun Plätze dahinter, immerhin noch in den Top Ten. Aber ist er damit der deutsche Mbappé? In der U21 schoss Luca Waldschmidt drei Tore. Man erwartet seinen Namen erst gar nicht in dieser Liste.

Man kann sich bei der U21-Nationalmannschaft nur mitfreuen. Foto: Imago Images

Nochmals: Niemand möchte den Deutsche die Freude über den leidenschaftlichen Auftritt der Mannschaft von Junioren-Bundestrainer Stefan Kuntz miesmachen. Man muss aber die Diskussion führen, wer aus dieser Mannschaft das Zeug hat, die A-Nationalmannschaft von morgen an die Spitze zu schießen.

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