Im Finale dahoam: Bayern droht ein zweites Desaster

Glücklich sieht Niko Kovac nicht aus. Foto: Imago Images / Ulmer

Endlich wieder Drama, endlich wieder Spannung bis zum Schluss: Bei Herausforderer Borussia Dortmund wächst stündlich die Hoffnung auf das Meister-Wunder, bei Bayern München die Angst vor einem zweiten Desaster im Finale dahoam. Nachdem der Rekordmeister sechs Jahre in Folge die Bundesliga nach Belieben dominiert und für Langeweile gesorgt hatte, steht am Samstag erstmals seit 2009 wieder ein großer Titel-Showdown am letzten Spieltag an.

“Alle freuen sich, aber der Druck, den man aushalten muss, ist schon gewaltig. Es hängt stark von der Dramaturgie ab, es ist alles möglich”, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Herzschlagfinale.

Auch wenn die Bayern vor ihrer Partie gegen Eintracht Frankfurt deutlich im Vorteil sind: Die Unruhe beim Rekordmeister ist greifbar, der Druck auf Trainer Niko Kovac immens. Selbst der siebte Titel der Münchner in Folge, der 29. insgesamt, wäre für den 47-Jährigen keine Garantie auf eine Weiterbeschäftigung. Kovac (“Ich gebe nicht auf”) ist zum Erfolg verdammt, nachdem vor allem Karl-Heinz Rummenigge seit Wochen ein klares Bekenntnis verweigert. Am Freitag dementierte der Vorstandschef immerhin, dass die Trennung bereits beschlossene Sache ist.

Den Bayern reicht beim letzten und emotionalen Heimauftritt von Arjen Robben und Franck Ribery aufgrund der klar besseren Tordifferenz gegenüber Dortmund, das bei Borussia Mönchengladbach um seine neunte Schale kämpft, ein Unentschieden. Aber, so Kovac, “wir werden 90 Minuten auf Sieg spielen, das werde ich klipp und klar vorgeben”. Man habe jetzt “diese Chance”, fügte er kämpferisch an, “dann wollen wir sie auch nutzen”. Sollte es mit dem Pflichttitel jedoch nicht klappen, dann sei dies, das verdeutlichte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, eine “Scheiß-Saison”.

Der BVB baut auf einen psychologischen Vorteil – und stichelt seit Tagen. “Meine Hoffnung wird jeden Tag größer”, sagte Watzke. Er spüre, dass der BVB “vor großen Dingen” stehe. Selbst der zuletzt zaudernde Trainer Lucien Favre hält plötzlich “alles für möglich”.

Offensiv sprach Watzke sogar über eine mögliche Feier. Es sei “alles geplant, Sonntag ist der Korso. Wenn wir dieses Mal Meister werden, können wir 24 Stunden fahren”, sagte er mit einem Schmunzeln. Die Bayern, die 2012 in der Champions League ihr erstes “Finale dahoam” gegen Chelsea denkwürdig verloren hatten, würden mit ihren Fans am Nockherberg feiern. Den obligatorischen Empfang am Rathausbalkon gäbe es erst am 26. Mai, einen Tag nach dem Pokalfinale in Berlin gegen Leipzig.

Zuletzt war eine Meisterschaft vor zehn Jahren am letzten Spieltag entschieden worden – zum Nachteil der Bayern. Das unübertroffene Drama der Bundesliga-Geschichte gab es jedoch 2001: Schalke 04 wähnte sich schon als Meister, doch Münchens Patrik Andersson schoss Königsblau mit seinem Ausgleichstreffer in Hamburg (90.+4) in ein tiefes Tal der Tränen – und die Bayern zum Titel.

Für Kovac, der damals als HSV-Profi auf der Tribüne saß, wäre es die erste Meisterschaft als Trainer – genauso wie für BVB-Kapitän Marco Reus. “Mit Dortmund als Dortmunder Junge das Ding irgendwann einmal hochzuhalten, das wäre gigantisch“, hatte er vor Monaten gesagt. Es wäre “ein Traum” – und das auch noch bei seinem Ex-Klub Gladbach.

Sollte es für Reus wieder nichts werden, falle man “nicht ins Bodenlose”, betonte Watzke. Vielmehr nahm er Druck von den Spielern, die die Tabelle nach dem 15. Spieltag noch mit neun Punkten Vorsprung angeführt hatten: “Die Saison ist für uns insgesamt sehr gut gelaufen, jetzt sollten wir noch das Tüpfelchen auf das i setzen.”

Auch Kovac war bemüht, etwas Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Er habe mit der Eintracht einst “um die Existenz gekämpft. Das ist unmenschlich. Aber jetzt: Das ist ein schönes Gefühl.”

Ist die Bundesliga besser als ihr Ruf?

Der Anfang vom Ende: Roman Bürki rutscht in Bremen der Ball durch die Beine. Foto: Imago / Nordphoto

Im August verfasste die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine ziemlich düstere Prognose für die bevorstehende Saison 2018/19. „Bei nüchterner Betrachtung“, schrieb die FAZ, „ist die Bundesliga zu einer ziemlich langweiligen Angelegenheit verkommen.“

Der Pessimismus war nicht unberechtigt. Die sechste Bayern-Meisterschaft in Folge, das furchtbare Abschneiden der deutschen Klubs im Europapokal, die WM-Blamage von Russland: Nichts deutete darauf hin, dass die Spielzeit eine besonders abwechslungsreiche werden könnte.

Heute muss man feststellen: Selten so geirrt. In der Woche vor dem letzten Spieltag widerlegen neueste Zahlen vom Münchener Datenspezialisten „Opta Sports“ das unterschwellige Gefühl, dass die Bundesliga ihren Unterhaltungswert verloren hat.

In keiner anderen Top-Liga fallen im Schnitt mehr Tore: 3,14 pro Spiel. Nirgendwo langweilen weniger Nullnummern die Zuschauer: nur 16 in 297 Spielen. Und in 30 Spielen fielen mindestens sechs Tore. Auch das: Bestwert in Europa. Ist die Bundesliga besser als ihr Ruf?

Ein Jahr zuvor quälten Trainer das Publikum regelmäßig mit einer Spielweise, die ihre Absurdität in der Wertschöpfung „gegen den Ball“ ausdrückte. Zwei von drei Bundesliga-Teams verzeichneten weniger als 50 Prozent Ballbesitz, was ihren Matchplan verriet: lieber zerstören als gestalten.

Der damalige Schalker Trainer Domenico Tedesco wollte im Nichtangriffspakt eine eigene Ästhetik auf dem Rasen entdeckt haben: „In Schönheit sterben oder kämpferisch gewinnen — da nehme ich lieber die zweite Variante.“ Schalke wurde Vizemeister mit nur 63 Punkten. Ein Rekord.

Die „Zeit“ fand eine hübsche Beschreibung für die damals landesweit zu beobachtende Mutlosigkeit unter jenen, die als Laptop-Trainer verspottet wurden: „Es begegnen sich zwei Kaninchen, die sich für Schlangen halten.“ Keiner wollte unnötig ins Risiko gehen. 

„Deutsche Trainer feilten daran, die Rückeroberung des Balls zu perfektionieren, ohne sich zu überlegen, was die Mannschaft mit der Kugel im Anschluss anfangen soll“, stellte der Fußball-Analyst Tobias Escher bei den Bundesligisten fest. 

Escher beobachtete eine Verrohung des Spielstils: „Teams hetzten sich gegenseitig über den Platz, warfen sich in die Zweikämpfe. Nur Fußball spielten sie selten.“ Die Passquote drückt in der Statistik das Zusammenspiel mit dem Ball aus – und die sei kontinuierlich gesunken.

Inzwischen ist das anders. Der Tedesco-Fußball ist ein Auslaufmodell. Im Duell mit Bayern hat Dortmund mit 73 Punkten nicht nur die Entscheidung um die Meisterschaft auf den 34. Spieltag verschieben können. Im Opta-Zahlenwerk finden sich Indizien für einen Richtungswechsel.

Aus einer Passgenauigkeit von 71 Prozent in der gegnerischen Hälfte lässt sich mit ein bisschen guten Willen Waghalsigkeit im Angriffsspiel ableiten. In keiner anderen Top-Liga fallen mehr Tore aus dem Spiel heraus: exakt drei von vier (74 Prozent). Nur in England wird weniger gefoult.

Zu den Binsenweisheiten des Fußballs gehört freilich, dass Tore nur dort fallen, wo Fehler passieren. Man kann also genauso umgekehrt argumentieren: Die Qualität im Abwehrbollwerk hat nachgelassen. Und Hoffnung verbreitet die bunte Statistik nur bedingt. 

„Schon in jungen Jahren steht Gegenpressing, nicht etwa das Lösen von Situationen auf dem Plan“, meint Fußball-Analyst Tobias Escher. „Die Folge: In der Bundesliga spielen heute mehr französische Innenverteidiger-Talente als deutsche Spielmacher.“

Thiago Alcántara in München, Axel Witsel in Dortmund, Emil Forsberg in Leipzig – tatsächlich überlassen die drei besten Bundesliga-Mannschaften das Kommando in ihren Schaltzentralen Gastarbeitern aus Spanien, Belgien und Schweden.

Die Deutschen, die es könnten, Toni Kroos, Ilkay Gündogan oder Sami Khedira, spielen selbst im Ausland. Im Moment ist nicht abzusehen, woher Bundestrainer Joachim Löw seine neuen Führungsfiguren fürs Mittelfeld akquirieren soll. Vielleicht Kai Havertz von Bayer Leverkusen.

Die Trainer müssen zunächst ihren Arbeitsplatz sichern und nicht die Nachwuchsarbeit. Jeder dritte Erstligist wechselte diese Saison den Trainer. Offenbar verstehen die ihren Job. 138 Jokertore zählte die Liga: Jedes siebte Tor wurde eingewechselt. Auch das: ein Rekordwert.

“Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze”

Screen Shot aus der Commerzbank-Werbung

Lena Goeßling bringt an Ausstrahlung und Erfolgen alles mit, was eine Fußball-Legende vorweisen muss. 104 Länderspiele. Zwei Champions-League-Siege. Fünf Deutsche Meisterschaften. Sechs DFB-Pokalsiege.

Trotzdem hätten die meisten deutschen Fußballfans sogar Schwierigkeiten, ihren Namen richtig zu schreiben. Mal mit Ö, mal mit Doppel-S, mal mit beidem: Lena Goeßling kennt alle Varianten und lächelt darüber hinweg.

Die Mittelfeldspielerin des VfL Wolfsburg beansprucht keine Gleichstellung mit den männlichen Kollegen. Sie hat sich eine dicke Haut zugelegt. Aber ein bisschen mehr Wertschätzung täte schon gut.

Erst wenn Anfang Juni die WM in Frankreich beginnt und das Fernsehen zur besten Sendezeit Spiele der Frauen überträgt, steigt das Interesse in Deutschland wieder. Die Nationalspielerinnen kennen es ja nicht anders.

Ihr Verein, hierzulande der erfolgreichste im Frauenfußball, verzeichnete in der Bundesliga-Saison einen Zuschauerschnitt von 1840, also nicht mal zweitausend Zuschauer – und ist damit die Nummer eins in Deutschland.

Erst mit diesen Fakten versteht man den Werbespot, den die Commerzbank in diesen Tagen veröffentlicht hat. “Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt”, heißt es dort.

Die Commerzbank, seit zehn Jahren überzeugter Förderer des Frauenfußballs, packt mit ihrer Werbekampagne ein heißes Thema an: Gleichberechtigung gilt im deutschen Fußball wenig.

In vielen Vereinen wird die Abteilung Frauenfußball behandelt wie eine fremde Sportart. An Geld kann es kaum liegen. Nur 3,5 Mio. Euro beträgt der Etat eines Spitzenteams. In der Männerwelt ist das kleines Geld.

Überliefert sind Szenen, dass Nationalspielerinnen bei ihrem Klub über keine festen Umkleidekabinen und keinen Physiotherapeuten verfügen. Jede Knabenmannschaft im Nachwuchsleistungszentrum wird besser behandelt.

Anders in Spanien. Die Frauen von Atletico Madrid zogen 60.000 Zuschauer zum Heimspiel gegen den FC Barcelona an. Riesenresonanz auch in England: 43.000 Zuschauer kamen zum Frauen-Pokalfinale ins Wembleystadion.

Zu erklären ist die Zurückhaltung in Deutschland nicht. Zweimal wurde die Frauen-Nationalmannschaft schon Weltmeister, 2003 und 2007, achtmal Europameister und zuletzt 2016 Olympiasieger.

Als Lena Goeßling kürzlich beim OMR Festival in Hamburg Grundsätzliches zum Frauenfußball vortrug, kam nicht eine Sekunde Neid auf. Sie weiß: Die Männer tragen bei der Wertschöpfung im DFB den größten Teil bei.

Was sie aber beobachtet hat: dass europäische Spitzenvereine in ihrer Kommunikation nicht zwischen Männer- und Frauenfußball unterscheiden; allein der Verein und seine Farben stehen im Blickpunkt.

Männer und Frauen teilen sich zum Beispiel bei Manchester City Trainingsplätze, Ärzte, Physiotherapeuten, Betreuer. Hier kann man tatsächlich von einer gelebten Gleichberechtigung sprechen.

In Deutschland zeigt zumindest der VfL Wolfsburg Männer und Frauen gemeinsam im Fankatalog. Bei anderen großen Bundesliga-Klubs, vor allem im Rheinland, käme man erst gar nicht auf die Idee, das zu tun.

Dieser Pokal stinkt: Manchester City droht Uefa-Sperre

Pep Guardiola mit FA Cup. Foto: Imago Images / Colorsport

Zwei Tage nach der großen Meisterparty verschickte Manchester City im Internet einen Überblick der neuesten Medienberichte. So erfuhr der Fan, dass City laut Daily Mail den Frankfurter Luka Jovic beobachten würde. Nett, aber unbedeutend. Die wirklich spannende Neuigkeit verschwieg der englische Champion seinen Anhängern: Manchester City mit Teammanager Pep Guardiola droht der Ausschluss aus der Champions League.

Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der New York Times hervor. Demnach wird erwartet, dass die Finanzkontrollbehörde der Europäischen Fußball-Union (Uefa) noch im Laufe dieser Woche eine endgültige Empfehlung zum Ausschluss des Scheich-Klubs vom wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb für mindestens eine Spielzeit ausspricht.

Der Grund: Verstöße gegen Regeln des Financial Fair Play (FFP). “Ban City”, titelte die Sun als Wortspiel über die mögliche Sperre für ManCity, das am Sonntag im FA-Cup-Finale gegen den FC Watford antritt. Sollte die rechtsprechende Kammer der Uefa-Finanzkontrollkammer für Klubs (FKKK) der Empfehlung folgen, wäre dies eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Erstmals hätte die Uefa einen Topklub wegen unlauteren Finanzgebarens aus der Königsklasse ausgeschlossen. 

2014 war Manchester City wegen ähnlicher Vorwürfe genau wie Paris St. Germain zu einer Geldstrafe in Höhe von 20 Millionen Euro bestraft worden. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel soll sich der aktuelle Fifa-Präsident Gianni Infantino damals in seiner Funktion als Uefa-Generalsekretär für eine mildere Strafe der beiden aus der Golfregion alimentierten Spitzenvereine eingesetzt haben. 

Frankreichs Serienmeister PSG steht derzeit unter strenger Aufsicht der Uefa und muss Auflagen erfüllen. Der zweijährige Ausschluss des AC Mailand für internationale Spiele wurde wieder aufgehoben und bis 2021 auf Bewährung ausgesetzt. 

Auch im Fall von City kam der Anstoß durch die Football-Leaks-Veröffentlichungen von außen. Die Enthüllungsplattform hatte Ende des vergangenen Jahres anhand von E-Mails und internen Klub-Dokumenten unlautere finanzielle Aktivitäten der Skyblues aufgedeckt. City-Eigentümer Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan soll über Jahre verschleierte Zahlungen an den Verein geleistet haben. Dies geht aus Dokumenten des Magazins Spiegel und des Recherchenetzwerks EIC hervor.

Abgewickelt worden sei der Betrug mit Sponsoren, die viel weniger bezahlt haben sollen als im Vertrag festgeschrieben war. Die Differenz sei aus dem Privatvermögen des Scheichs geflossen. Manchester City hatte die Ermittlungen Anfang März noch als gute Gelegenheit begrüßt, um “die Spekulationen zu beenden”. Am Dienstag reagierte City mit scharfer Kritik, hinter dem Bericht der Times würde die Absicht stecken, “den Ruf des Klubs und seine kommerziellen Interessen zu schädigen”. 

Manchester City gab in den vergangenen Jahren mehr als eine Milliarde Euro für neue Spieler aus – mit dem klaren Ziel, die Champions League zu gewinnen. Doch über das Halbfinale kam der Topklub nie hinaus, auch nicht mit Pep Guardiola. In diesem Jahr scheiterten die Citizens im Viertelfinale an Ligakonkurrent Tottenham Hotspur. 

In ihrem Streben nach der internationalen Krone werden die City-Verantwortlichen nichts unversucht lassen, um eine Europacup-Sperre zu umgehen. Bei einer Verurteilung gilt ein Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS als sehr wahrscheinlich. Diesen Weg bestritt kürzlich auch der FC Chelsea, der gegen die im Februar verhängte Transfersperre durch die Fifa vorgeht. 

Der Hamburger Weg führt in eine Sackgasse

Der HSV-Sturm kommt einfach nicht durch. Foto: Imago Images / pmk

Eigentlich ist der Hamburger Weg eine richtig gute Sache. Unter diesem Namen hat man beim Hamburger SV schon vor mehreren Jahren eine Stiftung ins Leben gerufen. Der Verein übernimmt damit gesellschaftlich Verantwortung in der Hansestadt und fördert viele wichtige Projekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Bedauerlich nur für die vielen HSV-Anhänger, dass die Fußball-Profiabteilung vom Hamburger Weg zurück in die Bundesliga ziemlich weit abgekommen ist. In erster Linie, weil Anspruch und Wirklichkeit viel zu selten in Einklang standen. Man predigte Demut und praktizierte Selbstüberschätzung – ein Spagat, mindestens so schmerzhaft wie der nun gerade verpasste Aufstieg.

Eine verheerende Außendarstellung, am Tag nach dem sportlichen Scheitern noch befeuert vom selbstgerechten Geschwätz von Investor Klaus-Michael Kühne. Der Milliardär beklagt sich allen Ernstes darüber, dass der Verein seinem Ansinnen nicht gefolgt sei, Trainer Hannes Wolf schon im Februar zu feuern.

Kühne könnte das freundliche Gesicht des HSV sein, wahrgenommen wird er als hässliche und vorlaute Fratze. Und so wird die Zahl derjenigen, die den Hanseaten ein Comeback in der Bundesliga wünschen, eher ab- als zunehmen.

In der kommenden Saison wird und muss sich zeigen, wohin der Hamburger Weg nun wirklich führt. Auch ein aktueller Liga-Topklub wie Borussia Dortmund ist einst nach drei Jahren Zweitklassigkeit bis ganz an die Spitze zurückgekehrt und damit ein leuchtendes Beispiel für einen gelungenen sportlichen Neustart.

Es kann aber auch ganz anders kommen. Ein Traditionsverein wie der 1. FC Kaiserslautern stieg vor sieben Jahren aus der Bundesliga ab und ist mittlerweile drittklassig. Eine solche Entwicklung an der Alster wäre dann wohl die Hamburger Sackgasse.