Das SID-Kalenderblatt am 17. Juni: Jahrhundertspiel im Estadio Azteca

Das “Jahrhundertspiel” war eigentlich lange Zeit nicht so recht ein Hit. Im WM-Halbfinale 1970 ging Italien gegen Deutschland schon in der achten Minute durch Roberto Boninsegna in Führung. Der italienische Catenaccio führte zu einem Anrennen der Deutschen – ohne aber zunächst zum Ausgleich zu kommen. Bis zur zweiten Minute der Nachspielzeit hatte das Ergebnis Bestand, dann sorgte ein rotblonder deutscher Spieler für den 1:1-Ausgleich im Estadio Azteca von Mexiko-Stadt.

Als der mexikanische Schiedsrichter Arturo Yamasaki die Pfeife zum Abpfiff bereits an den Mund führte, schaffte Italien-Legionär Karl-Heinz Schnellinger vom AC Mailand das nicht mehr für möglich gehaltenen 1:1. Der Ausspruch “Ausgerechnet Schnellinger” von ARD-TV-Live-Kommentator Ernst Huberty wurde zur Legende.

Schnellinger sagte später im SID-Interview: “Ohne dieses Tor hätte man mich vergessen.” Dieser Treffer, der fiel, als Bundestrainer Helmut Schön dem Sport-Informations-Dienst (SID) – wie dfb.de berichtet – an der Bank schon ein Interview gab, folgte die berühmteste Verlängerung der Fußball-Geschichte. Ein Drama im Minutentakt, weil beide Teams sich aller taktischen Fesseln entledigten und voll auf Sieg spielten.

Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ging in der Verlängerung durch “Bomber” Gerd Müller in Führung (94.), die Italiener schlugen zurück und schafften durch Tarcisio Burgnich (99.) und Gigi Riva (104.) die Wende. Nochmals traf Müller (110.) zum 3:3, doch Mittelfeldstar Gianni Rivera (111.) schaffte im Gegenzug den Siegtreffer, die Azzurri brachten das 4:3 über die Zeit. Ein Fußball-Thriller, über den noch heute diskutiert wird, war zu Ende.

Die Gedenktafel am Estadio Azteca lässt keine Zweifel: “Partido del Siglo!”, also “Jahrhundertspiel” steht in Erinnerung an jenen Klassiker Deutschland-Italien am 17. Juni 1970, der nie dramatischer, nie umkämpfter und nie emotionaler gewesen ist.

Foto: AFP/SID und Zulieferer +++ Mehr auf Fever Pit’ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.