Club findet historische, jüdische Mitgliederkartei

Sensationeller und historischer Fund bei Fußball-Zweitligist 1. FC Nürnberg: In einem Kellerraum des Club-Geländes am Valznerweiher wurde die Mitgliederkartei von 1928 bis 1955 gefunden. Sie galt bislang als verschollen. “Damit ist es jetzt endlich möglich, die Rolle jüdischer Bürger beim 1. FC Nürnberg zu erforschen”, sagte Niels Rossow, Kaufmännischer Vorstand beim Club am Dienstag.

Es freue ihn “besonders”, ergänzte Rossow, “dass gerade im bundesweiten Gedenkjahr ‘1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland’ und in Zeiten zunehmenden Antisemitismus’ der Club nun die Grundlage besitzt, den in der NS-Zeit zu Unrecht aus dem Verein ausgeschlossenen jüdischen Mitgliedern ein Gesicht zu geben und ihre Biografien öffentlich zu machen”.

Bei dem Fund handelt es sich um rund 12.000 Karteikarten aus der Zeit von Januar 1928 bis November 1955. Der fränkische Traditionsverein werde nun, so Rossow, durch einen Antrag zur Mitgliederversammlung 2021 darauf hinwirken, “dass der Ausschluss der jüdischen Mitglieder für unrechtmäßig erklärt und rückgängig gemacht wird”.

Jüdische Bürger durften im Nationalsozialismus nicht mehr länger Mitglieder in “deutschen” Sportvereinen sein. Der 1. FCN hatte die jüdischen Mitglieder mit Wirkung vom 1. Mai 1933 aus seiner Mitgliederliste gestrichen. Ein entsprechender Brief adressiert an den jüdischen Kaufmann Franz Anton Salomon (“Wertes Mitglied, … mit sportlicher Hochachtung”) findet sich im Leo Baeck Institute in New York.   

Bislang war Salomon das einzig bekannte jüdische Mitglied, das 1933 aus dem Club ausgeschlossen wurde. “In der Kartei sind insgesamt 143 Mitglieder aufgelistet, bei denen es sich aufgrund des Stempels ’30. APR. 1933′ in der Rubrik ‘Austritt’ um jüdische Mitglieder handeln dürfte”, sagte Club-Historiker Bernd Siegler. 

Der 1. FCN hatte, so Siegler, 1933 knapp 2000 Mitglieder – 1920 waren es noch 3336 gewesen. “Erste Recherchen ergaben, dass sich hinter den Namen sehr bewegende Biografien verbergen”, sagte Siegler.

Der 1. FCN werde “dieses dunkle Kapitel der Vereinsgeschichte weiter aufarbeiten und die Möglichkeit schaffen, universitäre Forschungsprojekte zu realisieren”, kündigte Rossow an. Das Stadtarchiv Nürnberg und die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg signalisierten bereits Unterstützung.

Foto: AFP/SID und Zulieferer +++ Mehr auf Fever Pit’ch

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