BVB-Attacke: Was haben die Bayern-Bosse noch drauf?

Der Millionen-Deal auf der Nordseeinsel Sylt ging in fast schon harmonischer Atmosphäre über die Bühne. Doch spätestens wenn die Duz-Freunde “Kalle” Rummenigge und “Aki” Watzke ihren Urlaub beendet haben, dürfte das Duo wieder auf Angriffsmodus schalten. Die Bundesliga darf sich jedenfalls seit dem im Dörfchen Kampen vereinbarten Transfer von Mats Hummels von Double-Gewinner Bayern München zurück zu Vizemeister Borussia Dortmund auf das nächste heiße Meisterschaftsduell freuen – allerdings unter etwas geänderten Vorzeichen.

“Ganz Deutschland kann sich glücklich schätzen, dass es wieder einen spannenden Titelkampf geben wird”, sagte Trainerlegende Ottmar Hitzfeld. Eine Führungspersönlichkeit wie Hummels habe dem BVB in der vergangenen Saison zur Meisterreife gefehlt. Deshalb hat der Herausforderer geklotzt – und mit den bis zu 38 Millionen Euro für den verlorenen Sohn bereits knapp 130 Millionen Euro ausgegeben. Der Titelverteidiger tut sich dagegen schwer.

Das klang mal anders. Uli Hoeneß war ganz in seinem Element. “Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die neue Saison”, sagte der Präsident von Bayern München gewohnt selbstbewusst im Sport1-“Doppelpass”. Ein Raunen ging durchs Publikum. Doch seit der vollmundigen Ankündigung des Patriarchen sind vier Monate vergangen. Zugänge beim deutschen Fußball-Rekordmeister seither: einer. Immerhin ein Weltmeister, der 80 Millionen Euro schwere Franzose Lucas Hernandez. Und sonst?

Daumen raus! Hasan Salihamidzic sieht die Bayern-Welt in Ordnung. Foto: Imago Images / Rudel

Der von Hoeneß viel und hoch gelobte Sportdirektor Hasan Salihamidzic tut sich schwer. “Wir wollen einiges machen, aber wir haben noch einige Monate Arbeit vor uns. Du musst Geduld haben”, sagte er zuletzt. Das Transferfenster ist schließlich noch bis zum 2. September geöffnet. Doch spätestens seit dem Verkauf von Rio-Weltmeister Mats Hummels an Titelrivale Borussia Dortmund rumort es an der Basis. Salihamidzic muss liefern!

Wunschtransfer bleibt Leroy Sané

Transferziel Nummer eins der Bayern bleibt Leroy Sané. In England endet die Wechselperiode bereits am 8. August, Bewegung ist in die – überaus teure – Personalie aber noch nicht gekommen. Alternativ wird offenbar eine Leihe von Gareth Bale diskutiert, der Real Madrid verlassen soll. Auch Callum Hudson-Odoi (FC Chelsea) bleibt ein Thema. Die Bayern, analysierte 1990er-Weltmeister Jürgen Kohler im Kicker, brauchen “auf jeden Fall noch einen überragenden Flügelspieler”.

Als Hummels-Ersatz im Abwehrzentrum ist Hernandez vorgesehen, der nach seiner Knie-OP bis zum Saisonstart voll einsatzfähig sein soll. In Neuzugang Benjamin Pavard und Javi Martinez gibt es Alternativen. Eine weitere könnte Ozan Kabak werden, der Absteiger VfB Stuttgart gegen die festgeschriebene Ablöse in Höhe von 15 Millionen Euro verlassen wird.

Hummels-Transfer stößt auf Unverständnis

Dennoch stößt der Hummels-Verkauf auf Unverständnis – nicht nur bei den Fans. Lothar Matthäus kann den Transfer aus Bayern-Sicht “nicht verstehen”. Thomas Helmer spricht von einer “riskanten” Lage, weil die Münchner auch Jerome Boateng abgeben wollen. Einen ernsthaften Interessenten gibt es für ihn bisher nicht. Boateng betont, er werde nicht weglaufen.

Anders Hummels. Sein Wechselwunsch ist nach einem internen Gespräch gereift, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass Trainer Niko Kovac im Abwehrzentrum mit Hernandez und Niklas Süle plane. Während Hummels ging, ist die Position des Trainers stärker denn je. Mit Sandro Wagner im Winter sowie Franck Ribery, Arjen Robben, Rafinha, James und jetzt Hummels im Sommer haben die Bayern gleich sechs Spieler abgegeben, die als Kritiker des Kroaten galten.

Rodrigo-Transfer eher unwahrscheinlich

Aber wer kommt noch? Salihamidzics Hoffnungen, den spanischen Nationalspieler Rodrigo für 70 Millionen Euro von Atletico Madrid abzuwerben, dürften sich zerstreuen. Den 22-Jährigen zieht es übereinstimmenden Berichten zufolge zu Manchester City – Pep Guardiola statt Niko Kovac. Dennoch soll ein neuer, spielstarker Sechser her.

Die angedachte Verpflichtung von Nationalspieler Timo Werner haben die Bayern dagegen erst einmal auf 2020 vertagt, wenn der Leipziger ablösefrei zu haben ist. Wenigstens hier kann Salihamidzic mal durchschnaufen.

Alle Foto: Imago Images

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