Borussia Dortmund: Nur die Meisterschaft zählt jetzt

Wenn stimmt, was der Bayerische Rundfunk gestern Abend berichtet hat, dann war Mats Hummels ein Auslaufmodell beim FC Bayern München. Der Weltmeister von 2014 soll nach einem Gespräch mit den Bayern-Bossen pikiert darüber gewesen sein, dass man seine künftige Rolle vorläufig auf der Ersatzbank gesehen hat. Nur darum habe Hummels Heimweh zum BVB.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lässt durchblicken, dass ihn Unkenrufe nicht erschüttern können. Er hält die spektakuläre Rückholaktion des Abwehrchefs für die notwendige Stabilisierung in der Verteidigung, damit der Klub Deutscher Meister wird. Die Führungsachse mit Mats Hummels, Axel Witsel und Marco Reus steht. Damit sind wir beim Trainer.

Lucien Favre mit Marco Reus. Foto: Imago Images / Defodi

Niemand kann Lucien Favre einen Vorwurf machen, dass er noch nie Meister in der Bundesliga geworden ist. Seine bisherigen Vereine Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach boten ihm keine Teams, die das Zeug dazu hatten. Dass er beim BVB vorige Saison keine Mittel fand, dem Schwund von neun Punkten Vorsprung auf Bayern entgegenzuwirken, kann passieren.

Nur: Die Zeit der Ausreden ist jetzt vorbei. Borussia Dortmund stellt ihm eine Mannschaft hin, die ohne jede Zweifel Meisterliches in sich trägt. T-Online schreibt von einer 125 Mio. Euro Attacke. Lucien Favre selbst hat eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2021 erhalten, damit während der Saison keine Personaldiskussion aufkommt. Jetzt muss er auch liefern.

“Wir werden in die Saison mit der Maßgabe gehen, dass wir ohne Wenn und Aber um die Deutsche Meisterschaft spielen wollen!”

Hans-Joachim Watzke

Er darf nicht wieder zaudern, kleinmütig vor Abstiegskandidaten warnen und Nebenkriegsschauplätze bei Schiedsrichter-Entscheidungen suchen. Nun kann und muss er zeigen, dass er der große Trainer ist, für den ihn alle Welt hält. Wenn er nicht schleunigst mit dem Anspruch seiner Bosse arbeitet, ist er schneller weg vom Fenster, als er selbst ahnt.

Borussia Dortmund inzwischen 608 Mio. Euro wert

Die Mannschaft von Borussia Dortmund, inzwischen 608 Mio. Euro wert, wird sich keinen Trainer leisten können, der Mimimi spielt. Charakterstärke heißt auch, die Nerven zu behalten, wenn es darauf ankommt. In den großen Spielen seiner ersten BVB-Saison hat Favre geschludert: Die Ursache für das 0:5 von München ging auch auf seinen Taktik-Unsinn zurück.

Im ersten Jahr mag das angesichts einer vergleichsweise jungen Mannschaft  verzeihlich sein. Im zweiten Jahr nicht. Aki Watzke und sein Stab mit Michael Zorc, Matthias Sammer und Sebastian Kehl haben die Vizemeisterschaft fair analysiert, um die fehlenden Prozentpunkte mit zwangsläufig riskanten Rekordtransfers herbeizuschaffen. Jetzt ist Lucien Favre dran.

Alle Fotos: Imago Images

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