7:2 bei Tottenham! Die fünf Erkenntnisse vom Bayern-Spektakel in London

Ja, auch für ein 7:2 bei Tottenham Hotspur, für diesen spektakulären Sieg gestern Abend in London, gibt es am Ende nur drei Punkte in der Champions League. Doch aus der Tabellenführung mit jetzt sechs Punkten und 10:2 Toren in der Vorrundengruppe B kann Bayern München die Gewissheit ziehen, dass der Kader international wettbewerbsfähig ist. 

Keine Mannschaft steht in der Königsklasse besser da. Und nicht zu vergessen: Der Gegner vom Dienstagabend spielte vor sechs Monaten noch das Finale in der Champions League (und verlor 0:2 gegen den FC Liverpool). Doch viel wichtiger als das rein statistische Zwischenzeugnis dürften fünf weitere Erkenntnisse aus dem Gala-Auftritt sein.

Serge Gnabry im Höhenflug. Fotos: Imago Images / Huebner

Erkenntnis Nr. 1: Der Generationswechsel ist vollzogen.

Kingsley Comann und Serge Gnabry bringen mit Präzision jenes Tempo auf die Außenpositionen, wozu Franck Ribery und Arjen zuletzt nicht mehr in Lage waren. Weil die zwei Altinternationalen fort sind, genießen die beiden Nachfolger, erst 23 und 24 Jahre alt, das notwendige Vertrauen. Gnabry dankte mit vier Toren in der zweiten Halbzeit, dass er nach einer eher unauffälligen Spielhälfte nicht sofort zur Disposition stand. 

Erkenntnis Nr. 2: Joshua Kimmich ist der neue Leader.

Wer den Mumm hat, Defizite im Bundesliga-Betrieb beim Namen zu nennen (“Wir müssen draufpacken”), und dafür den Rüffel aus der Chefetage riskiert (“Wer seine Klappe aufmacht, muss vorneweg marschieren”), ist ein Kerl. Wer dann liefert und den Ausgleich raushaut, ist ein Anführer. Joshua Kimmich, erst 24, tat beides und regelte so nebenbei die Schaltzentrale im Bayern-Mittelfeld. Aus diesem Holz sind künftige Spielführer geschnitzt.

Erkenntnis Nr. 3: Manuel Neuer ist der beste deutsche Torwart

Darüber kann es keinen Zweifel mehr geben: Es gibt keinen Grund, Manuel Neuer im Tor der Nationalmannschaft auszutauschen. Beim FC Bayern hielt er gestern an der New White Lane die Abwehr ganz alleine zusammen, als die Spurs Dampf machten. Auf der Linie, im Eins-gegen-Eins, bei der Strafraumbeherrschung: Kein anderer Torwart, auch Marc-André ter Stegen nicht, kombiniert diese Qualitäten auf diesem Level.

Erkenntnis Nr. 4: Bundestrainer Joachim Löw hatte recht.

Niemand beim FC Bayern vermisst Mats Hummels in der Abwehr, niemand Thomas Müller in der Offensive, wenn alle Mann an Bord sind. Und Jerome Boateng spielte nur deshalb in der Innenverteidigung, weil Lucas Hernandez verletzt ausfiel. Alle drei sind ersetzbar. Joachim Löw hatte das schon Anfang des Jahres prognostiziert und den Generationswechsel eingeleitet. Die Bayern, so wütend sie damals waren, ziehen jetzt nach.

Erkenntnis Nr. 5: Die Zweifel an Niko Kovac sind unbegründet. 

Bayern München hat die vergangenen zehn Auswärtsspiele in der Champions League nicht verloren (sieben Siege, drei Unentschieden). Trainer Niko Kovac setzt die Erfolgsserie seines Vorgängers Jupp Heynckes fort. Ja, das frühzeitige Europacup-Aus gegen Liverpool wiegt schwer, weil seine Taktik im Rückspiel zaghaft wirkt. In London aber zeigte Mut: Corentin Tolisso statt Thiago im Mittelfeld war ein Wagnis. Aber ein klug berechnetes.

Bayern München wäre nicht der FC Hollywood, wenn die Saison nicht noch ein paar Kapriolen bereit hielte. Sieben Tore auf der Insel rehabilitieren längst nicht die drei Bundesliga-Klubs Bayern, Dortmund und Schalke, die im Frühjahr ihre Duelle gegen die Premier League kläglich verloren. Nur das muss man sagen: Engländer sind schlagbar.

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